Sonntag, 11. Oktober 2020

Klein, stark, rot - Autobianchi A112 Abarth 1979 von Solido, 1:18

Die in Mailand beheimatete Firma Autobianchi wurde 1955 gemeinsam von Fiat und Pirelli gegründet, dort entstanden auf Fiat-Modellen basierende, teilweise für den Konzern auch technisches Neuland betretende Fahrzeuge. Von der Bianchina, einer feineren Variante des 500, über die Primula, ein kompaktes Schrägheckauto mit Quermotor und Frontantrieb (lange vor dem VW Golf!) und den A111, eine äußerlich sehr konventionelle Limousine auf Basis der Primula. Größter Wurf war sicherlich der Mini-Konkurrent A112, der auf dem Turiner Salon 1969 präsentiert wurde. Nur 16 cm länger als das britische Original und mit wesentlich muntereren Motoren als der Basismini, dazu mit 13-Zoll-Rädern war der A112 der kleine, aber feinere Bruder des später präsentierten Volumenmodells Fiat 127. Die Fachzeitschriften waren sehr angetan, die Fahrleistungen schon mit dem kleinen, auf dem Triebwerk des Fiat 850 basierenden Vierzylinders mit 903 ccm und 44 PS für damalige Zeiten überdurchschnittlich, immerhin konnte man über 140 km/h erreichen. Ein richtiger Renner war dann ab 1971 der erste A112 Abarth, der mit besserer Ausstattung, Kriegsbemalung und einem auf rund einen Liter Hubraum gebrachten Triebwerk mit 58 PS bei einem Leergewicht von lediglich 690 kg schon zu sportlichen Fahrleistungen fähig war. 1975 erreichte man dann den Gipfel, der nochmals auf 1.050 ccm vergrößerte und getunte Motor war nun bei 70 PS angelangt, damit waren dann 160 km/h drin.

Über die Jahre wurde der A112 immer weiter modifiziert, sowohl technisch als auch äußerlich, der Abarth 70 HP blieb aber immer der stärkste Serien-A112. Der Fachmann zählt sieben Bauserien von 1969 bis 1986, wobei ab 1978 auf den Exportmärkten der Name Autobianchi verschwand und durch Lancia ersetzt wurde. In Italien führte man die dort gut eingeführte Marke noch bis Mitte der 90er Jahre weiter. Das Vorbild des Solido-Modells entspricht der 5. Serie, gebaut von 1979 bis Ende 1981, auffälligste Merkmale sind der komplett schwarze Kunststoffgrill, die ebenfalls schwarzen Verkleidungen an den Karosserieflanken und eine die Rücklichter einschließende Blende. Den damals leider immer noch aktuellen Rostfraß bemerkte man so leider erst, wenn es fast zu spät war. Technische Errungenschaften dieser 5. Serie waren vor allem das Fünfganggetriebe und eine elektronische Zündung.

Durch mehr oder weniger professionelles Tuning, Einsätze im Renn- und Rallyesport und die sicherlich oft etwas zu mutige Fahrweise vieler jüngerer Besitzer sowie die damalige italienische Blech- und Fertigungsqualität ist der Bestand an originalen, guten A112 Abarth nicht mehr allzu groß, aber es gibt einige Liebhaber, die den italienischen Supermini lieben und pflegen. Insgesamt entstanden von 1969 bis 1986 übrigens 1.254.381 Exemplare aller Serien und Varianten. Der Kaufpreis für den A112 Abarth betrug übrigens1980 12.990,- DM, das lag auf dem Niveau gut motorisierter Ford Fiesta oder VW Polo. Ein Fiat 127 Sport mit der gleichen Leistung war aber um 1.600,- DM billiger.

Das Solido-Modell kommt da natürlich deutlich günstiger daher, für knapp 40 EUR kann man sich den kleinen, sportlichen Italiener in die Sammlung stellen. Dafür gibt es ein tadellos proportioniertes Diecast-Modell, an dem sich allerdings nur die Türen öffnen lassen - wie bei Solido inzwischen üblich. Lenkbare Vorderräder gibt es ebenfalls. Verfügbar ist der Autobianchi im hier gezeigten Rot und als blaue Rallyevariante aus dem Team des französischen Importeurs Chardonnet (der man geänderte Sitze, einen Überrollbügel, Zusatzscheinwerfer und andere Felgen gegönnt hat). Das Lackfinish und die Verarbeitung sind bei den letzten Solidos, die in unserem Fotostudio parkten, tadellos gewesen und der A112 macht hier keine Ausnahme.

Die Leuchten vorne und hinten wirken realistisch, der Frontgrill ist nicht durchbrochen, hat aber viel Tiefe. Die Felgen sind schön gestaltet und glücklicherweise nicht zu breit. Die Türen schließen mit feinen Spalten, aber der Öffnungswinkel ist sehr klein. Das ist bedauerlich, weil Solido den Innenraum auch mit schönen Details bereichert. Das Armaturenbrett hat feine Instrumente vorzuweisen, die Sitze sind teils blau schablonenlackiert - das schaut alles gut aus. Zuletzt sei noch der nachgebildete Werbeaufkleber des französischen Importeurs erwähnt, der den Rallye-WM-Gewinn von Lancia würdigt, ein nettes Detail, das für zusätzlichen Realismus sorgt. Ein rundum gelungenes Modell mit fantastischem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Fotos: Georg Hämel, Text: Rudi Seidel und Georg Hämel

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