Montag, 28. September 2026

Keilförmiger Dreamcar - Alfa Romeo 33 Carabo Bertone 1968 von Autocult für Masterpiece, 1:43

In den 60er und 70er Jahren übertrafen sich die italienischen Designhäuser Bertone, Pininfarina und Ital Design mit aufsehenerregenden Studien, die sie auf den Autosalons in Genf, Turin, Paris oder Frankfurt präsentierten. Eines der aufregendsten Exemplare war mit Sicherheit der Bertone Carabo, der 1968 in der französischen Hauptstadt enthüllt wurde. Autocult hat jetzt im Auftrag des Ravensberger Handelskontors eine Miniatur in 1:43 produziert.

Das Original des nach einem grün schillernden Käfer benannten Carabo wurde auf dem Chassis eines Alfa Romeo 33 Stradale aufgebaut, das der Hersteller dem Carrozziere zur Verfügung stellte. Neben Bertone bekamen auch die Mitbewerber Pininfarina und Ital Design eine solche Basis. Mit Sicherheit gelang Bertones damaliger Chefdesigner Marcello Gandini im Vergleich die spektakulärste Studie. Die extreme Keilform, die neuartigen, nach vorne und oben öffnenden Scherentüren sowie das Schuppendesign am Heck und die in changierenden Farben schillernden Scheiben aus speziellem Dreischicht-Kunststoff ergaben eine noch nie dagewesene Optik. Der Carabo blieb naturgemäß ein Einzelstück, das man heute im Werksmuseum von Alfa Romeo bewundern kann, einzelne Elemente und Einflüsse findet man sicherlich in späteren Kreationen von Marcello Gandini, zum Beispiel in den Lamborghini Urracco oder Countach, dem Dino 308 GT4 oder sogar im kleinen Fiat X1/9.

Marcello Gandini wurde übrigens 1965 im Alter von 27 Jahren Chefdesigner bei Bertone und blieb es bis 1979. Sein Vorgänger war Giorgetto Giugiaro, der bei seinem Start 1960 sogar erst 22 Jahre alt war und sich nach einem Intermezzo bei Ghia mit Ital Design selbständig machte. Unter den Fittichen des Firmenchefs Nuccio Bertone konnten die beiden Twens ihre Ideen entwickeln. Dass Gandinis erstes realisiertes Projekt dann gleich die Ikone Lamborghini Miura war, ist eine dieser unglaublichen Geschichten!

Vom Carabo gab es in 1:43 bereits eine ganze Menge Modelle: zeitgenössische Diecasts von Solido (zu sehen auf dem letzten Foto), Dinky Toys France, oder Mercury, teils mit zu öffnenden Türen, aber auch moderne Resincasts von Spark, Tecnomodel oder Top Marques. Aktuell sind all diese nur antiquarisch zu finden, so gesehen füllt das neue Modell von Autocult für die Masterpiece-Reihe des Ravensberger Handelskontors durchaus eine Lücke.

Die Resineminiatur kann als gelungen bezeichnet werden, Grundform, Lackierung und Karosseriedetails sind sehr gut wiedergegeben. Die sauber eingesetzten Fensterflächen haben eine orangefarbene Tönung, die das Spezialglas des Originals trifft. Räder und Reifen passen, ein kleines Detail wäre noch eine Beschriftung der Gummis gewesen, das ist aber nicht wesentlich. Bei der Reproduktion des feinen Gitters am Heck hat man sich einen Trick ausgedacht, nämlich ein Decal auf einer dünnen Klarsichtfolie. Das sieht je nach Lichteinfall schön oder nicht so toll aus. Im Cockpit gibt es nicht allzu viel zu sehen, das entspricht aber dem Vorbild. Zumindest das futuristisch gestaltete Lenkrad fällt auf. Am Unterboden findet man die „Schuppen“ unter der Schnauze sowie am Heck die vier Endrohre der Auspuffanlage. Dass der Scheibenwischer fehlt, entspricht übrigens dem Vorbild.

Wer Interesse an diesen Designikonen hat und noch keinen Carabo besitzt, bekommt mit dem in einer Auflage von 333 nummerierten Exemplaren produzierten Modell eine feine Ergänzung seiner Sammlung, An Preise von deutlich über 100 Euro mussten wir uns bei solchen Stücken leider inzwischen gewöhnen.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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