Dienstag, 1. September 2026
Kunst auf der Rennpiste II - BMW 320i Gr. 5 Art Car Roy Lichtenstein 1975 von Norev für BMW, 1:43
Weiter geht’s mit im Auftrag von BMW bei Norev produzierten Miniaturen von Art Cars in 1:43. Nach dem bereits bei uns vorgestellten Calder-3.0 CSL wurde gerade der vom amerikanischen Pop-Art-Künstler Roy Lichtenstein gestaltete 320i Gruppe 5 ausgeliefert. Wie man auf den ersten Blick sieht, soll das Modell nicht die Rennversion von Le Mans 1977 darstellen, sondern das Auto aus dem Museumsbestand von BMW.
Nach Alexander Calder und Frank Stella war Lichtenstein der dritte Künstler, der für den französischen Kunsthändler und Rennfahrer Hervé Poulain und BMW ein Auto gestalten durfte. „Mit den gemalten Linien wollte ich die Straße darstellen, die dem Auto zeigt, wo es langgeht. Der Entwurf zeigt auch die Landschaft, durch die der Wagen gefahren ist. Sogar der Himmel und der Sonnenschein sind zu sehen . . . man könnte es eine Aufzählung all dessen nennen, was ein Auto erlebt.“, so sprach der Künstler. Lichtenstein gestaltete seinen Entwurf auf einem Modell im Maßstab 1:5, die Ausführung lag dann beim Lackierspezialisten Walter Maurer und seinem Team. Nachdem der BMW seine Premiere im Pariser Centre Pompidou feiern durfte, erfolgte der Einsatz bei den 24 Stunden von Le Mans. Dort sprang immerhin ein neunter Platz und der zweite Rang in der IMSA-Kategorie heraus, Hervé Poulain und Marcel Mignot konnten durchaus zufrieden mit der Performance sein. Anschließend wanderte der BMW ins hauseigene Museum.
Vergleicht man allerdings Fotos vom Rennen mit mir vorliegenden Bildern von 1979 aus dem Museum sowie aktuell von der kürzlich beendeten Ausstellung in der BMW Welt, können beim genauen Betrachten Zweifel aufkommen, inwieweit das Original überhaupt präsentiert wird und ob es vielleicht sogar mindestens zwei Kopien gibt. Dazu gibt es bei der Lackierung/Folierung und auch bei der Anordnung der für Lichtenstein typischen überdimensionalen Rasterpunkte frappierend große Unterschiede. Die alle aufzuzählen ist mir ehrlicherweise zu mühsam. Das Rennauto von 1977 sieht sowieso anders aus, kommen ja auch noch Startnummern usw. dazu.
Wenn wir davon ausgehen, dass die Norev-Miniatur das kürzlich ausgestellte Auto zum Vorbild nimmt, stimmt leider ebenfalls einiges nicht: Nur zum Beispiel die Gestaltung der linken Spoilerecke vorne, das fehlende Grün vor dem linken Hinterrad oder die Grafik auf der linken C-Säule, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Und wen der Teufel geritten hat, auch rechts ein Sicherheitsnetz in die Seitenscheibe zu drucken, frage ich mich schon.
Ok, der Sammler bekommt also ein Diecast-Modellauto, das den Lichtenstein-BMW nachempfindet. Die Grundform sieht gelungen aus, ähnelt etwas dem alten Minichamps-Modell, was kein Fehler ist. Im Gegensatz zum Calder-Coupé gibt es sogar ein paar kleine Details, wie Abschleppösen, Sicherheitsschalter und Windschutzscheibenhalter. Die Räder sind besser als beim 3.0 CSL, wenn auch etwas sehr chromig. Der Scheibenwischer ist von der groberen Sorte, im ansonsten nur schwarzen Cockpit sieht man immerhin bedruckte Instrumente und Gurte.
Bleibt als Fazit, dass man mit dem Lichtenstein-BMW 320i von Norev ein nettes Modell zu einem ziemlich satten Preis (80 – 120 Euro je nach Anbieter) bekommt, aber nicht zu viele Ansprüche an die Genauigkeit der Reproduktion haben sollte. Wenn man diese Art Cars in der Vitrine lässt und sie nebeneinander stellt, kann man damit leben. Ob das den eigenen Ansprüchen an ein Modellauto genügt, muss jeder Sammler für sich entscheiden. Leider besteht kaum Hoffnung, dass einmal etwas besseres oder sogar eine echte Rennversion nachkommt. Und ob weitere Art Cars in der Serie erscheinen, ist derzeit nicht bekannt.
Fotos und Text: Rudi Seidel

























