Donnerstag, 10. September 2026

Erfolgreicher Bruch mit der Tradition - MGA von Norev, 1:18

Alteingesessene Fans des britschen Sportwagenbaus werden vermutlich etwas erhöhten Puls bekommen haben, als MG 1955 den Nachfolger des sehr traditionellen TF vorstellte. Der MGA folgte einem völlig neuen Designkonzept, dass sich an einer Sonderkarosserie orientierte, die MGs Hausdesigner Syd Enever für einen Rennsportwagen entworfen hatte, der 1952 in Le Mans antrat. Die Vorkriegs-Formensprache mit freistehenden Kotflügeln war Geschichte, stattdessen gab es eine elegante Pontonkarosserie, die den neuen Wagen schon im Stand schnel machte. Alles war neu und sorgte im Konzerngeflecht der BMC, zu der MG gehörte, zunächst für Widerstand, da man im Hinblick auf sportliche Autos lieber auf Donald Healeys Roadster setzen wollte. Doch da sich die traditionell geformten und technisch etwas altbackenen MG immer schlechter verkauften, erhielt der MGA grünes Licht. Eine wirtschaftlich äußerst kluge Entscheidung, bis zur Einstellung 1962 wurden über 100.000 MGA verkauft – die deutliche Mehrzahl ging nach Europa und in die USA.

Bis heute ist der MGA in der Oldtimerszene sehr beliebt und auch als Modellauto ist er häufig zu finden. In den größeren Maßstäben gab es ab den 1980er Jahren ein Modell der späteren Twin Cam-Version von Polistil in ca. 1:16, später kam von Revell ein hervorragender MGA in 1:18, der aber inzwischen schon lange nicht mehr lieferbar ist. Vor ein paar Jahren baute Triple 9 einen MGA, der aber lediglich öffnende Türen hatte und auch sonst eher grob wirkte. Die Rennversionen waren allerdings nett. Jetzt hat Norev sich dem kompakten Roadster gewidmet und liefert ihn in klassischem britischem Grün an den Fachhandel. Als exklusives Sondermodell ist er bei Norev im Webshop auch in der hier gezeigten Variante in „Old English White“, limitiert auf 200 Exemplare.

Die Grundform trifft Norev weitgehend gut, nur die Front erscheint mir etwas zu platt. Ansonsten gibt es keinen Grund zur Klage. Als Vorbild orientiert man sich a frühen 1500 Modell, das mir persönlich sehr gut bekannt ist – mein Vater besaß einige Jahre einen solchen MGA (allerdings in Rot). So erscheint mir auch das Bild unter der Motorhaube sehr vertraut, Norev hat hier nicht eine einfache Platte, sondern eine fein detaillierte kleine Vierzylinderminiatur verbaut. Im Heck geht es deutlich unspektakulärer zu, aber das ist natürlich vorbildgerecht (wobei ich das Chaos mit Werkzeug, Ölkännchen und Lappen das in unserem Kofferraum herrschte, auch als reizvoll für ein Modell empfinden würde).

Der Innenraum mit seinem fein gestalteten Armaturenbrett ist wunderbar gelungen. Am Scheibenrahmen finden sich die winzigen Verriegelungshaken für das Verdeck, die mir sehr bruchgefährdet erscheinen. Sehr schön, erst recht für ein Modell dieser Preisklasse, sind auch die filigranen Speichenfelgen, die dem MGA genau die richtige Straßenlage geben. Es muss auch auf die feinen weiteren Chromdetails hingewiesen werden, wie die kleinen Lüftungsgitter neben der Motorhaube oder der Gepäckträger auf dem Kofferraum. Und natürlich sollen auch die schönen Leuchten vorne und hinten Erwähnung finden, die dieses gelungene Modell abrunden. Ich freue mich auf viele, weitere Farbvarianten – bestimmt kommt auch mal ein Modell in Rot…

Fotos und Text: Georg Hämel

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