Donnerstag, 27. August 2026
Kunst auf der Rennpiste - BMW 3.0 CSL Art Car Alexander Calder Le Mans 1975 von Norev für BMW, 1:43
Die Geschichte der BMW Art Cars begann 1975 mit einem 3.0 CSL Coupé, das von Alexander Calder gestaltet wurde und bei den 24h von Le Mans antrat. Norev hat jetzt im Auftrag von BMW ein Modell in 1:43 produziert.
Der französische Kunsthändler, Auktionator und Hobbyrennfahrer Hervé Poulain hatte die Idee, durch künstlerische Gestaltung eines Rennautos seine beiden Vorlieben zu verbinden. In Jochen Neerpasch, damals Sportchef in München und mit einer Galeristin verheiratet, fand er einen Mitstreiter, der ihm ein passendes Auto zur Verfügung stellte. Natürlich versprach man sich in Frankreich eine große Werbewirkung, was sich bewahrheitete. Das vom amerikanischen Bildhauer Alexander Calder mit geschwungenen Flächen in kräftigen Farben gestaltete Coupé wurde viel fotografiert und kam in nahezu jedem Bericht über die 24 Stunden von Le Mans vor. Neben dem Initiator waren Jean Guichet und Sam Posey als Fahrer gemeldet, leider war bereits in der neunten Stunde Schluss, ein Schaden an einer Antriebswelle beendete den mutigen Auftritt. Immerhin lag der BMW zeitweise auf Rang sechs! Der Künstler war selbst in Le Mans anwesend, das Coupé war eines seiner letzten Werke, Calder verstarb im November 1976 in New York. Wie bei den meisten seiner Art Car-Nachfolger wurde die Realisierung von Walter Maurer aus Fürstenfeldbruck ausgeführt, dessen Firma für ihre Speziallackierungen berühmt ist.
Im Jahre 2021 produzierten BMW Classic und Maurer übrigens ein Double des 3.0 CSL, das als AP (Artist's Proof) bezeichnet wurde. Calder hatte nämlich vertraglich für sich eine Kopie des Le Mans-Autos gesichert, leider starb er, bevor der Auftrag ausgeführt wurde. Mit 46 Jahren Verspätung konnte Alexander Rower, ein Neffe des Künstlers, das Fahrzeug für die Calder Foundation in Empfang nehmen. Ob es weitere Kopien gibt und ob auch andere Art Cars mehrfach vorhanden sind bzw. die Originale gar nicht in die Öffentlichkeit gelangen, ist Grund für Spekulationen, an denen ich mich nicht beteiligen will. Vergleicht man allerdings Fotos vom Rennen 1975 mit denen des Ausstellungsstücks (z.B. im August 2026 in der BMW Welt in München), sieht man vor allem im Bereich des Frontspoilers größere Abweichungen. Der schräge weiße Streifen endete damals im linken Lufteinlass, heute geht er bis nach unten...
Nach vielen Jahren hat BMW sich durchgerungen, auch in 1:43 offizielle Modelle einiger Art Cars produzieren zu lassen. Neben dem bereits letztes Jahr erschienenen Hypercar von 2024 wurden gerade das Calder-Coupé sowie der von Roy Lichtenstein designte 320 i Gruppe 5 ausgeliefert. Die mit einer aufwändigen Verpackung ausgestatteten Miniaturen kommen vom französischen Hersteller Norev und werden in China gefertigt. Der Preis liegt je nach Anbieter bei ca. 90 bis 100 Euro, wer alles dabei die Hand aufhält, weiß ich nicht.
Der erste Eindruck nach dem Auspacken ist nicht schlecht, die Farben leuchten und die Flächen sind sauber getrennt, ein wichtiger Punkt bei einem Art Car. Die Grundform ist gut getroffen, vor allem die Schnauze hat die richtige Schräge und die Scheinwerfer sitzen perfekt. Dass die hinteren Verbreiterungen schmäler sind als bei anderen Coupés, sollte stimmen, in Le Mans lief das Auto ja als Tourenwagen, nicht als IMSA-Variante. Der Rest des Modells entspricht allerdings nicht dem heutigen Standard und dem Kaufpreis. Die Räder sind zu groß und sehen billig aus, die Bodenfreiheit ist ebenfalls zu groß. Fotoätzteile sucht man vergeblich, so fehlen Haubensicherungen, Schnellverschlüsse, Abschleppösen und die Halterungen an der Frontscheibe. Scheibenwischer, Heckflügel und Dachspoiler sind eher von der groben Sorte. Die Splitter auf den vorderen Kotflügeln sind nur teilweise schwarz lackiert und der blaue Sonnenschutz in der Windschutzscheibe glänzt ebenso durch Abwesenheit wie die Lüftungsschlitze unter dem Frontgrill. Das Cockpit ist eher lieblos als Plastikteil ohne jegliche Bedruckung gestaltet. Dass die Scheiben, wie bei Diecastmodellen üblich, ziemlich dick sind, ist verglichen mit dem Rest zu verschmerzen. An manchen Details merkt man, dass das aktuelle Auto als Vorbild herangezogen wurde, siehe die Farbgestaltung an der Front oder die Außenspiegel. Das dürfte der Aufgabenstellung von BMW an Norev entsprechen, man will wahrscheinlich Museumsautos, keine historischen Rennversionen.
Eigentlich schade, dass den reizvollen Vorbildern der BMW Art Cars keine adäquaten Miniaturen zur Seite gestellt werden, aber durch die sicherlich restriktive Lizensierungspolitik seitens BMW sowie der Künstler oder ihrer Vertreter gibt es kaum Hoffnung, dass etwas besseres nachkommt.
Fotos und Text: Rudi Seidel
























