Mittwoch, 29. Juli 2026
Ein absolut imposantes Modell - Lancia Esatau PV30 Garavini Renntransporter von Centauria, 1:43
Der spektakuläre Renntransporter von Lancia in den 50er Jahren war schon immer ein Favorit von mir, das teure, vor vielen Jahren angebotene Handarbeitsmodell von ABC Brianza konnte und wollte ich mir aber nicht leisten. Umso schöner, dass es jetzt eine tolle und preiswerte Miniatur zu kaufen gibt!
Centauria in Italien ist ein Unternehmen, das sogenannte Partwork- bzw. Kioskserien produzieren lässt und über Zeitschriftenläden und Kiosks vertreibt, auch im Abonnement. Neu ist die Möglichkeit, direkt auf der Website auch aus Deutschland einzelne Exemplare zu bestellen, man ist jetzt nicht mehr auf oft überteuerte Angebote in Ebay angewiesen. Viele der Modelle kommen von Sonic, der Muttergesellschaft von IXO usw.
Nach dem Tod des Firmengründers Vincenzo Lancia übernahmen seine Witwe und der Sohn Gianni das Unternehmen. Dieser wollte das ganz große Rad drehen und die Marke auch im Motorsport an die absolute Spitze führen. Das gelang zeitweise ganz gut, mit dem D20 als erstem reinen Rennsportwagen siegte man bei der Targa Florio 1953, der offene Nachfolger D24 gewann bei der Carrera Panamericana im gleichen Jahr sowie 1954 bei der Mille Miglia und wieder bei der Targa. Dann wollte man ganz hoch hinaus und der berühmte Konstrukteur Vittorio Jano stellte einen Grand Prix-Renner auf die Räder, den D50. Leider fiel der Top-Pilot Alberto Ascari damit 1955 in das Hafenbecken von Monte Carlo, blieb aber dabei unverletzt. Fatalerweise stürzte er kurze Zeit später tödlich bei Testfahrten mit einem Ferrari. Sowohl der Tod seines Fahrers als auch die finanziell angespannte Situation sorgten für einen ungewöhnlichen Vorgang: Gianni Lancia schenkte das gesamte Formel 1-Equipment seinem Konkurrenten Ferrari. Und tatsächlich wurde Juan Manuel Fangio 1956 mit einem weiterentwickelten Lancia D50 Weltmeister!
Zu den großen Auftritten Lancias in dieser Zeit gehörte natürlich auch ein adäquater Renntransporter. Gut, dass man sozusagen noch Vollsortimenter war und große LKW und Omnibusfahrgestelle im Programm hatte. So diente ein dreiachsiges Autobus-Chassis Esatau PV30 als Basis, aus dem bei der ebenfalls in Turin ansässigen Firma Garavini ein eleganter, geschlossener Transporter für vier Rennwagen entstand. Sowohl die Grundform als auch die Zweifarbenlackierung in Cremeweiß/Dunkelblau und die stilvollen Schriftzüge zogen interessierte und begeisterte Blicke der Betrachter auf sich, wenn sie nicht alleine durch die schiere Größe des Transporters überwältigt waren. Als Antrieb diente ein Sechszylinder-Dieselmotor mit 8867 ccm Hubraum und 122 PS bei 2000 1/min. Mit 55 bis 60 km/h ging es eher gemütlich voran.
Die Carrozzeria Garavini wurde übrigens bereits 1914 in Turin gegründet, man produzierte Sonderaufbauten für Fiat, Alfa Romeo, aber auch für Isotta Fraschini und andere italienische Marken. 1947 starb Eusebio Garavini, seine Söhne verlegten sich hauptsächlich auf den Bau von Bussen und Krankenwagen. 1957 schluckte die Carrozzeria Viberti den kleinen Mitbewerber.
Der erste dokumentierte Auftritt des Esatau Renntransporters kam anlässlich der Mille Miglia 1953, damals waren die D20 Coupés an Bord, die in den gleichen Farben lackiert waren, nicht wie spätere Lancias im traditionell italienischen Rot. Später ging es per Schiff über den Atlantik, der Transporter kam bei der Carrera Panamericana in Mexiko zum Einsatz. Das letzte Mal sah man ihn bei der Übergabe des Formel 1-Materials an Ferrari. Leider hatte Maranello scheinbar kein Interesse am Esatau, man hatte ja die bekannten, geschlossenen Fiat LKWs, der offene Bartoletti kam erst später. Genaue Informationen über den Verbleib des Lancia Esatau gibt es leider nicht, angeblich wurde er zum Pferdetransporter umgebaut und in den 70er Jahren verschrottet, das war ein unrühmliches Ende für dieses tolle Fahrzeug.
Das Modellauto von Centauria ist wirklich imposant: Über 30 Zentimeter lang, sauber lackiert und perfekt bedruckt. Natürlich darf man für den Preis keine Fotoätzteile erwarten, aber der Chrom an der Front, Firmenlogo, Scheinwerfer, Rücklichter, Scheibenwischer und Rückspiegel sind gut reproduziert. Einwandfrei sind die Fenstereinsätze eingepasst, die zweite Achse ist vorbildgerecht zwillingsbereift, Unterboden und Führerhauseinrichtung sind einfach nachgebildet, das Armaturenbrett bedruckt. Erfreulich sind die zu öffnenden Türen am Heck, mit Hilfe der beiliegenden Rampen kann man in der Vitrine Verladeszenen nachempfinden. Beim Original gab es allerdings zwei Stockwerke und einen hydraulischen Lift, nur so konnte man vier Rennwagen unterbringen. Aber diese Vereinfachung gibt es auch bei anderen, teureren Modellen. Es ist wirklich erstaunlich, dass man so eine Miniatur für 30,90 Euro produzieren und verkaufen kann!
Die Renntransporter-Serie von Centauria soll insgesamt 60 Modelle umfassen, manche sind natürlich schon aus anderen Serien bekannt. Aber ich bin gespannt, wie viele positive Überraschungen uns noch erwarten. Bestellungen sind, wie schon gesagt, direkt auf der Website von Centauria möglich.
Fotos und Text: Rudi Seidel




















