Freitag, 19. Juni 2026

Klare Kante - Maserati Boomerang Italdesign 1972 von Masterpiece, 1:43

Giorgetto Giugiaro ist mit Sicherheit einer der Top-Designer von den 60er und 70er Jahren bis heute, seine Firma Italdesign verkaufte er 2010 an den VW-Konzern, 2025 übernahm der amerikanische Konzern UST Global die Mehrheit. Der Maestro ist auch heute noch aktiv, zusammen mit seinem Sohn Fabrizio gründete er 2015 das Designstudio GFG Progetti, wo man sich vor allem mit der Gestaltung von Elektrofahrzeugen beschäftigt.

Nach einigen Jahren als Chefdesigner bei Bertone und Ghia machte Giugiaro sich 1968 zusammen mit seinem Geschäftspartner Aldo Mantovani selbständig , auf dem Turiner Salon dieses Jahres präsentierte man mit dem Bizzarini Manta eine spektakuläre, keilförmige Studie. Mit dem Maserati Bora entstand 1971 ein kompaktes Mittelmotor-Coupé. Für den Turiner Salon im gleichen Jahr fertigte man ein Mock-Up eines extrem flachen, keilförmigen Sportwagens, das den Namen Boomerang trug. Bis zum Genfer Salon 1972 wurde aus der Studie tatsächlich ein fahrfähiger Prototyp mit der Technik des Maserati Bora. Mit dem 4,7-Liter V8 mit 310 PS schätzte man, eine Höchstgeschwindigkeit von 300 Km/h zu erreichen, ob das jemals jemand versucht hat, wage ich zu bezweifeln. Neben der Keilform mit extrem flacher Windschutzscheibe und großzügiger Tür- sowie Dachverglasung fiel vor allem das Cockpit aus der Reihe, alle Instrumente und Schalter waren innerhalb des Lenkrads angeordnet. Beim 1:1-Modell von Turin sah das ganz interessant aus, mit heutigen Mitteln wäre es realisierbar, aber beim fahrfähigen Prototyp verteilte man diverse Anzeigen, Kippschalter usw. aus dem Ersatzteillager auf der Fläche, was sehr an Eigenbau eines mehr oder weniger begabten Bastlers erinnert. Die extravaganten Leichtmetallräder entstanden bei MOMO, die blaue 77 an den Seitenflächen erklärt sich durch die Initialien GG, dem siebten Buchstaben des Alphabets. Neben Bertones Alfa Romeo Carabo und Lancia Stratos oder Pininfarinas Ferrari Modulo gehörte der Maserati Boomerang zu den spektakulärsten Autos seiner Zeit. Natürlich blieb er ein Einzelstück, Elemente seines Designs finden sich in den Serienautos Lotus Esprit und De Lorean wieder.

Nach einigen weiteren Autosalons verkaufte Italdesign den Boomerang nach Spanien, wo ihn in den 80er Jahren ein deutscher Enthusiast entdeckte und schließlich erwerben konnte. Nach abgeschlossener Restaurierung wurde das Einzelstück beim Bagatelle Concours d'Elegance 1990 gezeigt und Giorgio Giugiaro, der als Juror anwesend war, signierte seine Schöpfung am Heck zwischen den Rückleuchten. Nach Auftritten bei allen wesentlichen Anlässen in Europa und den USA wurde der Maserati 2015 über Bonhams versteigert und erzielte einen Preis von 3.335.000,- Euro!

Thomas Langejürgen vom Großhändler Ravensberger Handelskontor hat eine Vorliebe für extravagante Fahrzeuge, die er in limitierten Stückzahlen bei Autocult für seine Masterpiece-Reihe produzieren lässt. Ganz aktuell ist die hier vorgestellte 1:43-Miniatur des Maserati Boomerang, der im Herbst ein Alfa Romeo 33 Carabo Bertone folgen wird. Es gab vor ein paar Jahren bereits ein Modell von NEO, das ich nie genauer betrachtet habe, beim Vergleich mit Fotos findet man doch viel Ähnlichkeit zur Interpretation von Autocult, was ja kein Fehler sein muss. Das Modell reproduziert den Zustand vom Genfer Salon 1972, als statt eines Kennzeichens eine Tafel mit dem Schriftzug, dem Logo von Italdesign und "Designer Giugiaro" montiert war. Damals hatte der Boomerang noch zwei , aktuell besitzt er einen zentralen Scheibenwischer. Auch die mattschwarze Motorhaube wurde später glänzend lackiert.

Die Linie der Karosserie ist gut dargestellt und die meisten Details sind stimmig. Viel Beachtung wurde den diversen Schriftzügen und den sehr speziell geformten Rädern geschenkt. Der Innenraum ist durch die riesigen Fensterflächen gut einsehbar und vor allem die Mittelkonsole ist schön detailliert. Auch der kuriose zylinderförmige Schacht, an dessen Ende das Lenkrad montiert ist, fehlt nicht. Die darin liegenden Armaturen und Schalter sind natürlich aufgrund ihrer Winzigkeit kaum zu erkennen, aber natürlich sind sie da. Typisch für den Boomerang sind die vier rechteckigen, verchromten Auspuffendrohre.

Ein paar kritische Anmerkungen kann ich mir trotz der guten Gesamtqualität nicht ersparen: Die Schweller unterhalb der Türen sind beim Original dunkel abgesetzt, das fehlt beim Modell wie auch die weiße Färbung des unteren Drittels der Rückleuchten. Die Sitze waren ursprünglich mit silbergrauem Kunstleder bezogen. Autocult hat bei allen Fenstern sehr feine schwarze Rahmen montiert. Das stimmt so nicht, beim Original waren die Rahmen um die Windschutzscheibe sowie das Dachfenster alufarben, bei den Türscheiben sieht man auf den Originalfotos gar keine Rahmen. Dazu kommt, dass man bei der Montage an gewisse Grenzen stößt, bei meinem Fotomuster stehen diese Rahmen an zwei Ecken leicht ab, das erfordert präzise Nacharbeit.

Trotz dieser kritischen Anmerkungen freue ich mich darüber, dieses Modell in die Reihe der Designikonen aus der Zeit um 1970 stellen zu können und bin schon auf den Alfa Romeo 33 Carabo gespannt!

Fotos und Text: Rudi Seidel

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