Sonntag, 8. März 2026
Podestplatz gegen die Übermacht aus den USA - Ferrari 330 P4 Equipe Nationale Belge Le Mans 1967 von Looksmart, 1:43
Nach dem Desaster in Le Mans 1966 mit dem Ausfall aller Prototypen und dem Dreifachsieg des großen Rivalen Ford verstärkte Ferrari seine Anstrengungen, um sich bei den Amerikanern zu revanchieren. So gingen 1967 vier neue P4 und drei überarbeitete P3, die als 412P bezeichnet wurden, an den Start, mussten sich allerdings ebenfalls sieben der 7-Liter Ford stellen. Weitere potente Bewerber kamen mit zwei Chaparral 2F, zwei Lola Aston Martin sowie zwei Mirage von John Wyer.
Der Ferrari 330 P4 stellte eine Weiterentwicklung des P3 dar, war also kein völlig neues Auto. Dennoch gab es gravierende Unterschiede: Der Vierliter-Zwölfender bekam neue Köpfe mit drei Ventilen pro Zylinder, die Lucas-Einspritzung und Doppelzündung blieben, die Leistung stieg um 30 auf 450 PS. Das anfällige ZF-Getriebe wurde durch eine Eigenentwicklung ersetzt. Der P4 war etwas breiter und kürzer als sein Vorgänger, man musste schließlich breitere Campagnolo-Räder unterbringen, die ein Fünfspeichen-Design zeigten. Die Reifen kamen von Firestone, die Girling-Scheibenbremsen wurden hinten in die Räder verlegt, dadurch blieben sie kühler und waren leichter zu erreichen. Insgesamt entstanden lediglich vier Ferrari P4.
Von den vier Ferrari 330 P4 am Start von Le Mans hatte einer eine Sonderstellung, da er nicht vom Werk selbst gemeldet wurde. Die Vorgeschichte dazu war ein veritabler Crash von „Wild Willy“ Mairesse bei den 1.000 km von Spa. Wie oft zeigten sich die Ardennen mit viel Regen und dementsprechend miesen Bedingungen. Der damals gerade 22 Jahre alte Jacky Ickx bewies mit dem Mirage Ford seine Qualitäten als Regenmeister, das wollte sein Landsmann aber nicht akzeptieren und flog mit dem Ferrari 412P der Écurie Francorchamps gegen einen Telefonmast am Rande der Strecke. Ferrari erklärte sich außerstande, das Wrack für Le Mans wieder in ein Rennauto zu verwandeln und bot den Belgiern für die 24 Stunden den 330 P4 mit der Fahrgestellnummer 0856 an. Für die Sarthe wurde der bereits in Daytona (Rang 2) und Spa (Rang 5) eingesetzte P4 auf den neuesten Stand gebracht und mit einem Längsstreifen in Gelb versehen. Unter der Bewerbung der Equipe National Belge landeten Willy Mairesse und „Beurlys“ (Jean Blaton) nach einem vergleichsweise ruhigen Rennen auf dem letzten Podestplatz hinter dem siegreichen Ford Mk IV von Dan Gurney und A.J. Foyt sowie dem besten Ferrari von Mike Parkes und Lodovico Scarfiotti. Lediglich beim traditionellen Le Mans-Start geriet man mit einer Mirage in den Clinch, deshalb war die linke vordere Ecke des P4 etwas eingedrückt. Dieser Achtungserfolg für die roten Renner aus Maranello trug zum Erfolg bei der Markenweltmeisterschaft bei, allerdings muss man ehrlicherweise sagen, dass Ford sich auf Le Mans konzentriert hatte und nicht alle Rennen bestritt, die zur WM zählten. Eine nette Geschichte gibt es zu dem P4 noch zu erzählen. Nach seinem letzten Einsatz in Brands Hatch ging das Auto als Geschenk an den britischen Arzt Dick Wilkins. Nachdem er Mike Parkes behandelte, der mit einem Formel 1 in Spa schwer verunfallte, fragte ein dankbarer Enzo Ferrari, was er denn dafür gerne hätte. Wilkins meinte eher scherzhaft, einen P4 und Enzo nahm das ernst und hielt Wort!
Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die unter dem Label Looksmart angebotenen Ferrari-Rennwagen bei Spark produziert werden, man kann also den gleichen Qualitätsstandard erwarten. Der 330 P4 erfüllt die Erwartungen: die Grundform passt, alle notwendigen Details sind gut ausgeführt, Lackierung und Beklebung sind einwandfrei. Die goldenen Campagnolo-Fünfstern-Räder wie auch die Firestones mit ihren feinen Ringen sind perfekt reproduziert. Auch die aerodynamisch verkleideten Rückspiegel wurden nicht vergessen. Gut gefallen mir die Frontscheinwerfer mit präzise eingesetzten Abdeckungen. Die Nietenreihen auf der Karosserie wirken übrigens nur auf den Makroaufnahmen so prominent, mit freiem Auge sind sie völlig gut anzuschauen. Ein echtes Supermodell, wenn man überhaupt etwas kritisieren könnte, wäre es die Startnummer auf der Motorhaube, die etwas mehr gegen den Uhrzeigersinn gedreht sein müsste, wenn man mit Vorbildfotos vergleicht.
Da inzwischen die meisten Hersteller preislich angezogen haben, kommen mir die Looksmart-Ferraris gar nicht mehr so teuer vor, man muss sich das halt einfach schönreden, es gibt ja keine Alternativen und oft sind vor allem die interessanten Varianten schnell ausverkauft.
Unser Fotomuster kommt von Supercars in München, vielen Dank für die Unterstützung.
Fotos und Text: Rudi Seidel























