Mittwoch, 11. März 2026

Der Amateur, der vier Mal in Le Mans siegte - Ferrari 250 TRI/61 von Werk83, 1:18

Olivier Jean Marie Fernand Gendebien wurde 1924 in eine wohlhabende belgische Familie geboren. Im zweiten Weltkrieg kämpfte er als Fallschirmspringer gegen die deutschen Besatzer und ging nach dem Krieg nach Belgisch-Kongo, wo er manchen Quellen nach als Zeitsoldat tätig war, andere sprechen von einer Arbeit als Förster oder Agraringenieur. Sicher ist, dass er dort die Bekanntschaft seines Landsmannes Charles Fraikin machte, welcher ihn an den Rallyesport heranführte. Nach ihrer Rückkehr nach Belgien nahmen sie als Team an zahlreichen Rallyeveranstaltungen teil, der größte gemeinsame Erfolg war dabei der Sieg bei der Rallye Lüttich-Rom-Lüttich. Als Solist war Gendebien deutlich erfolgreicher, 1954 errang er auf verschiedenen Fabrikaten vier Rallye-Siege.

Vom Rallyesport verlegte er seinen Fokus immer mehr auf die Rundstrecke. Sein Talent erregte die Aufmerksamkeit von Enzo Ferrari, der ihn für Formel 1 und Sportwagenrennen unter Vertrag nahm. In der Formel 1 kam Gendebien insgesamt nur zu 15 Einsätzen, in denen er durchaus gute Leistungen zeigte, aber nie den Sprung nach ganz oben schaffte. Doch im Sportwagen bewies er von Anfang an sein enormes Talent, das fantastische Fahrzeugbeherrschung und eine sehr materialschonende Fahrweise umfasste und damit perfekt zu den Langstreckenrennen der damaligen Zeit passte. In Le Mans gab es 1956 an der Seite von Maurice Trintignant einen dritten Platz, im Folgejahr feierte er auf einem GT-Ferrari den sensationellen dritten Platz bei der letzten Mille Miglia, einen Sieg in Reims und als Saisonabschluss den Triumph bei der Tour de France mit seinem Landsmann Lucien Bianchi. Doch insbesondere die Verbindung mit dem US-Amerikaner Phil Hill sollte sich als fast unschlagbar erweisen. 1958 konnten Hill / Gendebien ihren ersten Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans erringen. 1960 konnten Gendebien und sein Freund und Landsmann Paul Frère ihren filigranen Ferrari 250 TR59/60 zum Sieg tragen, 1961 waren dann wieder Hill und Gendebien ein Team und setzten sich in ihrem Ferrari 250 TRI/61 vor den Teamkollegen Willy Mairesse und Mike Parkes durch, die Konkurrenz von Maserati und Aston Martin hatte schon längst das Handtuch werfen müssen.

Aber nicht nur in Le Mans war Gendebien erfolgreich. Die Targa Florio gewann er 1958, 1961 und 1962 (das Siegerauto von 1962 haben wir hier als Modell vorgestellt), in Sebring siegte er ebenfalls dreimal ( 1959, 1960, 1961) wie auch bei der Tour de France (1957, 1958, 1959). Dabei betrachtete sich der begnadete Belgier immer als Amateur und blieb auch außerhalb der Rennstrecken in verschiedensten Formen sportlich aktiv. 1962 ging das Team Phil Hill / Olivier Gendebien für Ferrari mit dem monströsen 330 TRI/LM an den Start und nur dank der klugen Fahrweise der beiden Piloten konnten sie den Frankenstein-Sportwagen, für den man in Maranello einen bärenstarken 4 Liter V12 mit einem dafür eigentlich ungeeigneten Chassis, unterdimensionierten Bremsen und der angepassten aktuellen Aerodynamik zusammengenagelt hatte, als Sieger ins Ziel bringen. Der vierte Le Mans Gesamtsieg, ein Rekord, den erst ein weiterer Belgier brechen sollte: Jacky Ickx. Bis heute hält Olivier Gendebien aber die Bestmarke für Gesamtsiege in Le Mans am Steuer eines Ferrari.

Nach diesem Triumph überraschte Gendebien die Motorsportwelt, als er seinen Rücktritt vom Motorsport erklärte. Zu viele Freunde hatte der Belgier auf den Strecken der Welt sterben sehen, zu oft war er selber knapp einem schweren Unfall entgangen. Seine Frau hatte ihn schon lange gebeten, mit seinem gefährlichen Hobby aufzuhören, das Rennen von 1962 mit dem wahnwitzigen Ferrari brachte dann die endgültige Entscheidung. Olivier Gendebien zog sich in sein Privatleben zurück, widmete sich verschiedenen Unternehmungen und seinen anderen sportlichen Hobbies. Seine Karriere verarbeitete er 1972 in dem sehr interessanten Buch „Quatre fois vainqueur au Mans“. Leider starb seine Frau, mit der er drei Kinder hatte, nur wenige Jahre nach seinem Rücktritt an einem Krebsleiden. Er zog in den Süden Frankreichs, wo er auch 1998 im Alter von 74 Jahren starb. Enzo Ferrari, der Gendebien sehr schätzte, bezeichnete ihn als „ein Gentleman, der niemals vergisst, dass „noblesse oblige“ und der diesen Verhaltenskodex hinter dem Steuer in elegante und anspruchsvolle Entschlossenheit umsetzt.

Alle Le Mans-Siegerwagen von Olivier Gendebien sind inzwischen auch im Maßstab 1:18 als Modelle erhältlich. Den neuesten Beitrag lieferte hierzu Werk83 mit dem Ferrari 250 TRI/61, den Hill/Gendebien 1961 zum Sieg fuhren. Das Diecast-Modell gibt die Form des Ferrari, den in 1:1 Fantuzzi karossierte und dessen Front die berühmten „Sharknose“-F1 zitiert. Nur die Speichenfelgen wirken etwas unterdimensioniert. Der Innenraum ist einfach gehalten, aber ok. Öffnende Teile gibt es nicht, den Motor sehen wir nur in Form der Ansaugstutzen unter ihrer klaren Abdeckung. Die Leuchten sind schön, die große Frontscheibe hat man sehr gut umgesetzt. Inzwischen hat man auch noch andere Varianten des 250 TRI umgesetzt, aber bei mir musste es natürlich der Le Mans-Sieger sein. Ein grundsolides Modell zu einem akzeptablen Preis.

Fotos und Text: Georg Hämel

unsere fachhandelspartner:

Falls Sie Interesse an unserem Partnerprogramm haben freuen wir uns über eine Nachricht an info@auto-und-modell.de.