Donnerstag, 12. Februar 2026

Die Gruppe-B-Flunder für die Straße - Lancia 037 Rally Stradale 1982 von Schuco Pro.R43, 1:43

Die ab 1982 gültigen Bestimmungen bei der Homologation von Wettbewerbsfahrzeugen sahen die drei Gruppen A, B und C vor. Während die Gruppe C für reine Rennautos vorgesehen war, galt die Gruppe A für seriennahe Fahrzeuge und die Gruppe B für kleine Serien von mindestens 200 Stück produzierter Autos. Der Fiat-Konzern hatte 1978 seine Kräfte konzentriert, die Rennabteilungen von Lancia und Fiat in der ASA (Attività Sportiva Abarth) zusammengefasst und in das alte Zentrum von Abarth verlegt. Da die bisherigen Rallyeautos Lancia Stratos und Fiat 131 für 1982 nicht mehr aktuell waren, beschloss Cesare Fiorio die Entwicklung eines völlig neuen Gruppe B-Renners. Obwohl man den 1979 vorgestellten Lancia Delta gerne durch sportliche Erfolge beworben hätte, fiel die Wahl auf den „alten“ Beta Montecarlo als Basis, von der nicht viel blieb. Bereits im Dezember 1980 lief der erste Prototyp, da man meinte, zu wenig Zeit für die Entwicklung eines allradangetriebenen Autos zu haben, blieb es beim Mittelmotor mit Heckantrieb. Allerdings wurde das Triebwerk längs eingebaut und mit einem Roots-Kompressor versehen, von dem man sich mehr Durchzug bei niedrigeren Drehzahlen versprach. Vom Montecarlo blieb nur der Mittelteil übrig, vorne und hinten wurden Rohrrahmen angeschweisst, der Radstand betrug 2.445 mm, das Gewicht der Rennversion belief sich auf 960 kg. Die neue Karosserie wurde wieder bei Pininfarina gestaltet, Leonardo Fioravanti zeichnete dafür verantwortlich. Der Zweiliter-Sechzehn-Ventiler sollte 310 PS bei 8.000 1/min leisten.

Im April 1982 debütierte die Serienversion des Lancia Rally anlässlich des Turiner Autosalons. Das Triebwerk war auf 205 PS bei 7.000 1/min gedrosselt, statt der Einspritzung verbaute man einen Weber-Doppelvergaser. Das Fünfgang-Getriebe kam von ZF, die Radaufhängungen entsprachen im Prinzip dem Rallyeauto, auch die doppelten Bilstein-Dämpfer an der Hinterachse fehlten nicht. Minimale Verbesserungen des Komforts erreichte man mit elektrischen Fensterhebern, einer feineren Cockpitgestaltung, etwas Geräuschdämmung und einer leiseren Auspuffanlage. Auf die dreiteiligen 16-Zoll-Räder waren für damalige Verhältnisse breite Reifen der Dimension 205/55 VR 16 aufgezogen. Optisch auffallend waren die zwei Buckel auf dem Dach, die großgewachsenen Rallyefahrern wie Walter Röhrl oder Markku Alén etwas Kopffreiheit boten, das Heckfenster mit ungehindertem Blick auf das Triebwerk und der wahlweise montierte, riesige Heckspoiler. Dieser hatte zwei Nachteile, erstens störte er die Optik des Lancia Rally, zweitens die Sicht nach hinten durch den Innenspiegel. Aber besonders alltagstauglich war der flache Renner sowieso nicht, Paul Schinhofen, der seinerzeit einen Test für auto motor & sport verfasste, monierte den unbequemen Einstieg sowie die extrem schwergängige Betätigung von Schaltung und Kupplung. Dazu kamen Fahrleistungen, die seiner Meinung nicht ganz der Optik entsprachen und konzeptionsbedingt nicht unproblematische Fahreigenschaften im Grenzbereich und beim Bremsen. Immerhin übertraf der Testwagen mit einer Spitze von 227,8 km/h die Werksangabe, beim Sprint auf 100 km/h verfehlte er sie aber mit 7,6 Sekunden um fast 10 %. Der Verbrauch betrug 14,9 Liter/100 km.

Es ist klar, dass Lancia bei einer Serie von 200 gebauten Fahrzeugen die Entwicklungsarbeit nicht bis ins letzte Detail trieb, mit einem Großserienfahrzeug darf man solche Autos nicht vergleichen. Für damals rund 80.000,- DM haben die Käufer aber ein faszinierendes Stück Renntechnik für die Straße bekommen. Wer heute einen Lancia Rally kaufen will, sollte gut situiert sein, 400.000,- Euro dürfte die Untergrenze sein, im August 2023 versteigerte RM/Sotheby's ein Exemplar für 601.680,- Euro inkl. Aufgeld. Dann vielleicht doch lieber das Modell in 1:43 von Schuco...

Seit der Fusion von Spark und Dickie/Schuco werden die Resin-Modelle von Straßenautos bei Spark in Madagaskar produziert und unter dem Label Schuco Pro.R43 angeboten. Der Käufer bekommt also eine fein detaillierte Miniatur, wie er es von Spark gewohnt ist. Die Grundform ist gut getroffen, ob der Heckspoiler sein musste, weiß ich nicht, auf jeden Fall gab es ihn wahlweise, somit ist er auch beim Straßenauto nicht falsch. Auch die kleinsten Details entsprechen dem Original, wie die winzigen Abarth-Logos hinter den Türen, die rechteckigen Zusatzscheinwerfer oder die kleinen Schmutzfänger hinter den Vorderrädern. Im Cockpit ist vorbildgerecht alles schwarz, bei der Gestaltung des unter der Heckscheibe sichtbaren Motors hätte ich mir eine filigranere Darstellung gewünscht. Am Heck gefallen mir die Rücklichter, die im Original vom Beta Montecarlo stammten und bei den Rallyeautos bald durch einfache runde Leuchten ersetzt wurden. Die Räder finde ich eine Idee zu glänzend, ansonsten sind sie vorbildgerecht. Die Verarbeitung meines Fotomusters ist ganz in Ordnung, wenn auch nicht überall perfekt, wie die Detailfotos zeigen. Die Vorderräder musste ich nach dem Auspacken erst einmal gerade montieren, was kein Problem darstellt, aber bei einem 80 Euro-Modell nicht sein sollte.

Insgesamt bietet Schuco dem Sammler ein attraktives Modell mit kleinen Schwächen, neben den beklebten Rallyeautos wirkt die einfarbig rote Straßenversion sehr schön.

Unser Fotomuster kommt von Supercars in München, vielen Dank für die Unterstützung.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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