Sonntag, 22. Februar 2026
Ein großer Name kehrt zurück - Ferrari Purosangue von Polistil, 1:18
Mit der Marke „Polistil“ kehrt ein großer Name der Modellauto- und Spielwarengeschichte zurück. Anfang der 1960er Jahre noch als „Politoys“ gegründet, machte sich der italienische Hersteller zunächst mit Kunststoffmodellen einen Namen, bevor man Mitte der 1960er Jahre dann auf Diecast als Material umstieg und sich schnell ein sehr gutes Renommee erarbeitete. Neben anderen italienischen Marken wie Mebetoys und Mercury bereicherte Politoys den Markt mit wohlproportionierten Modellautos mit vielen Spielfunktionen wie beweglichen Türen und Hauben, die auch heute noch viele begeisterte Fans haben. Allerdings war das Sortiment bei weitem nicht so umfangreich wie bei der britischen Konkurrenz von Corgi und Dinky oder auch den Franzosen von Solido. So blieben Politoys und auch die anderen Italiener immer etwas unter dem Radar des Marktes.
Anfang der 1970er Jahre wurde die Marke in „Polistil“ umbenannt, vermutlich um sich von der britischen Konkurrenz „Palitoy“ abzusetzen. In diesem Zeitraum begann man auch mit ersten Modellen im großen Maßstab 1:25, die äußerst populär wurden und ebenfalls mit vielen Details und öffnenden Teilen glänzen konnten. In den 1980er Jahren wurde es dann noch größer, als man mit den ersten Modellen im Maßstab 1:16 auf den Markt kam, in Konkurrenz zu den ersten Produkten in größeren Maßstäben von Bburago. Doch die Polistil-Produkte konnten hier mit der Konkurrenz im Laufe der Zeit nicht mehr Schritt halten. Während Bburago immer populärer wurde, geriet Polistil ins Hintertreffen und mit Auftreten der fernöstlichen Wettbewerber wurde die Luft dann endgültig sehr dünn. Polistil wurde an den amerikanischen Spielwarenhersteller Tonka verkauft, der 1993 dann endgültig den Stecker zog. Bburago kaufte den Markennamen und auch einige Formen, bevor 2006 auch dort die Lichter ausgingen und der MayCheong Konzern die Firma übernahm. Die Marke Polistil wurde ab den 2010er Jahren für Slotracing und andere Spielwarenprodukte benutzt, Modellautos im üblichen Sinne gab es nicht mehr.
Das änderte sich 2025. Der italienische Modellauto-Großhändler Carmodel sicherte sich die Marke in Kooperation mit MayCheong, um sie für die hauseigenen Exklusivmodelle aus Bburago-Produktion zu nutzen. Diese hatten in den vergangenen Jahren immer wieder für Irritationen gesorgt, weil plötzlich Bburago-Formneuheiten auftauchten, die nicht im Bburago-Programm zu finden waren und über die üblichen Distributoren nicht verfügbar sind. Diese Modelle werden jetzt als „Polistil“ gebrandet und über Carmodel vertrieben, die natürlich auch mit verschiedenen Großhändlern zusammenarbeiten.
Als erstes Modell des wiedererstandenen Labels ist inzwischen der Ferrari Purosangue in 1:18 erschienen. Das erste Ferrari-SUV (das man nicht so nennen darf!) war bislang nur als Resine-Miniatur erhältlich, Polistil ist hier der erste Anbieter eines Diecast-Modelles mit öffnenden Teilen. Leider aber nur mit eingeschränkt öffnenden Teilen, denn die hinteren Türen bleiben geschlossen. Das ist sehr schade, als Alternative bleibt nur das BBR-Modell, das demnächst zum vierfachen Preis erscheinen soll…
Polistil bietet eine wohlgelungene Karosserielinie mit insgesamt guten Spaltmaßen, insbesondere an der Fronthaube. Die Spalten der hinteren Türen werden schwarz ausgelegt, was der Optik guttut. Die Fronttüren öffnen – wie leider so oft bei Bburago-Produkten – nur in einem sehr kleinen Winkel, aber immerhin bekommt man einen Einblick in ein recht gelungenes mehrfarbiges Cockpit mit gut detailliertem Armaturenbrett. Unter der riesigen Fronthaube sitzt der 6,5 Liter V12 weit hinten, aber alle wichtigen Details sind zu finden und auch die in Wagenfarbe lackierten Bereiche hat man nicht vergessen. Ja, die Scharniere sind Bburago-typisch groß, aber schwarz lackiert und nicht übermäßig störend. Hinten klappt die Kofferraumhaube auf, die dann den Blick in einen schwarzen Kofferraum freigibt. Ich frage mich ja immer, ob dieses eher nichtssagende Detail wirklich so wichtig ist, mir hätten die öffnenden hinteren Türen mehr gegeben als der Kofferraum. Aber nun ja. Die Leuchten sind schön, die Felgen müssten auf beiden Seiten gegenläufig sein, was sie nicht sind, aber das fällt nur denen auf, die sehr genau hinschauen. Die Gitter sind nicht durchbrochen, aber fein strukturiert. Hinten stören eigentlich nur die simpel aufgedruckten roten Reflektoren, ansonsten passt das schon. Ein solider Start für Polistil, ich freue mich auf 12Cilindri und Roma, die demnächst erscheinen sollen und bei denen dann hintere Türen keine Probleme mehr darstellen werden.
Fotos und Text: Georg Hämel



























