Dienstag, 30. Dezember 2025
Kraftzwerg aus Österreich - Steyr Puch 650 TR 17° Rallye Monte Carlo 1965 von Spark, 1:43
In den 60er Jahren gab es durchaus abwechslungsreiche Startfelder bei den großen Rallyes wie der Monte Carlo. 1965 reichte es beispielsweise vom Porsche 904 GTS bis zum kleinen Steyr-Puch. Von Spark erschien kürzlich ein Modell dieses Kraftzwergs aus Österreich, mit dem der Pole Sobieslaw Zasada sogar seine Klasse gewinnen konnte.
Die Rallye Monte Carlo 1965 ging als eine der härtesten Veranstaltungen aller Zeiten in die Geschichte ein, von 237 Startern kamen gerade einmal 22 ins Ziel! Ein Schneesturm über dem französischen Jura dezimierte bereits viele Teilnehmer, die als Startort Frankfurt, Paris, Lissabon, Monte Carlo oder Athen gewählt hatten. Aber auch die anschließende Runde im Chartreuse-Gebirge forderte ihre Opfer. Am besten meisterten Timo Mäkinen und Paul Easter im Mini Cooper die grenzwertigen Verhältnisse mit Unmengen von Neuschnee auf der nächtlichen Runde in den Seealpen mit drei Turini-Überquerungen. Eine besonders erstaunliche Leistung boten Eugen Böhringer und Rolf Wütherich, die mit einem für diese Rallye sicherlich nicht optimalen Porsche Carrera GTS den zweiten Platz erreichten. Letztlich war jeder der 22 Platzierten irgendwie ein Sieger über das katastrophale Wetter, auch Sobieslaw Zasada und Kazimierz Osiński auf Rang 17 gehörten dazu.
Der Pole Sobieslaw Zasada gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten im Rallyezirkus, bereits 1959 bestritt er nationale Wettbewerbe und 1961 erstmals die Monte. Sein bisher letzter Auftritt endete 2023 mit einem Sieg, allerdings bei einer Veranstaltung für historische Autos in Polen. Ernsthaft an den Start ging der 1930 geborene Zasada 2021 bei der Safari-Rallye, wo er mit einem Aufhängungsschaden ausschied. Aber als Ziel hat er ausgegeben, auch mit 100 Jahren noch zu starten! Rallye-Europameister wurde er 1966, 1967 und 1971, dreimal immerhin Vizemeister. Nebenbei baute er ein Firmenimperium auf und zählt laut Forbes zu den 100 reichsten Polen. Neben dem Steyr-Puch fuhr er unter anderem Porsche, BMW, Lancia und Mercedes.
Dafür, dass der Steyr-Puch dem Fiat 500 sehr ähnlich ist, gibt es eine einfache Erklärung: Als die Österreicher einen Kleinwagen auf den Markt bringen wollten, entwickelte das Team um Dr. Erich Ledwinka, Sohn des berühmten Tatra-Konstrukteurs, einige Prototypen und einen feinen Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor. Man kam bald zu dem Ergebnis, dass eine eigene Karosserieentwicklung und -fertigung nicht rentabel wäre, da Fiat mit dem 500 gerade an einem passenden Fahrzeug arbeitete, wurde man sich handelseinig. So wurde dann ab 1957 bei Puch in Graz der Steyr Puch 500 produziert. Das Triebwerk war auf 16 PS gedrosselt, hatte aber wesentlich mehr Drehmoment, Laufkultur und Potential als der recht primitive Twin im italienischen Original, dazu kam ein besseres Getriebe mit Synchronisation der Gänge 2-4 und eine aufwendigere Hinterradaufhängung. Über die Jahre wurden Hubraum und Leistung gesteigert, der Puch war bei Rallyes sowie Rundstrecken- und Bergrennen in seiner Klasse an der Spitze. Letzte Ausbaustufe war der 650 TR, der mit Sportauspuff locker 40 PS leistete, bei 500 kg Eigengewicht durchaus ein Wort.
Wenn Spark wieder einmal ein Modell außerhalb des Mainstreams produziert, freue ich mich sehr, so ist es auch bei dem kleinen Steyr-Puch. Die Grundform ist gut getroffen, die Details stimmen perfekt, sieht man von den etwas übergroßen Seitenblinkern ab. Nette Kleinigkeiten sind die Heizungsdüsen hinter der Windschutzscheibe oder die Türinnenverkleidungen mit Zuziehgriffen sowie die feinen Zierleisten. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie man so feine Ätzteile ohne Kleberreste perfekt befestigen kann. Am Unterboden sieht man die Ölwanne, den Sportauspuff und Andeutungen der Radaufhängungen. Hier ist (zumindest bei meinem Muster) Kritik angebracht. Wie man auf den Fotos sieht, steht die Vorderachse links zu weit vorne, irgendwie passen Chassis und Karosserie nicht ganz zusammen. Das muss in Madagaskar bei der Montage aufgefallen sein, die Bodenplatte war zerbrochen und wurde wieder zusammengeklebt. Nach dem Fototermin habe ich das Modell aufgeschraubt und die Achsführungen der Karosserie etwas ausgefeilt. Jetzt passt es gut, das sollte aber eigentlich bei der Endkontrolle auffallen, falls es eine gibt...
Dennoch freue ich mich sehr über den Puch, er darf jetzt in der Vitrine neben der Vignale Gamine parken, auch so ein Rallye-Exote von Spark.
Steyr Puch 650 TR 17° Rallye Monte Carlo 1965, Spark, Bestellnummer S2133, Auslieferung Oktober 2025, keine bekannte Limitierung, Made in Madagascar.
Unser Fotomuster kommt von Supercars in München, vielen Dank für die Unterstützung.
Fotos und Text: Rudi Seidel

























