Sonntag, 16. November 2025
Interessante Vorbilder, aber fehlerhafte Modelle - Porsche RS61 Coupé und Spyder Le Mans 1961 von Spark, 1:43
Mit Modellen der drei in Le Mans 1961 gestarteten RS61 füllt Spark Lücken in der Porsche-Kollektion. Zur Begutachtung kamen zu mir das Coupé mit der Startnummer 30 sowie der Spyder. Da mein geschätzter Sammlerkollege, Hayo Herrmann aus Kiel, sich mit der Geschichte der Originale sowie mit den bisher produzierten Miniaturen in 1:43 intensiv auseinander gesetzt hat, zitiere ich mit seinem Einverständnis aus dem bei www.minerva-endurance.de erschienenen Artikel:
„Im letzten Jahr der traditionellen Sportwagen-WM waren Porsches Rennaktivitäten auf zwei Hochzeiten verteilt – Formel 1 und Sportwagen. So blieben die Rennsportwagen technisch weitgehend unverändert, wechselten nur den Namen (von RS 60 auf RS 61) und fuhren weiterhin mit dem bereits acht Jahre alten Fuhrmann-Vierzylinder-Motor, der allerdings bei einzelnen Rennen auf 2 Liter vergrößert wurde. In den Rennen vor Le Mans hatten die RS 61 meist dieselbe Form wie die RS 60. Mit einem solchen Spyder hätten die Formel 1-Stars Stirling Moss und Graham Hill fast die Targa Florio gewonnen – Ausfall in Führung liegend nur 8 km vor Schluss! Bei dieser Targa startete bereits ein Spyder mit einer neuen gestreckteren offenen Karosserie und längerem Radstand (718-047). Er kam dort auf den 2. Platz und wurde im folgenden Jahr 1962 mit dem neuen 2 Liter-Achtzylinder-Motor ausgestattet, benannt 718/8 W-RS Spyder, später auch „Großmutter“. Dieser neue Spyder startete 1961 nach der Targa Florio auch in Le Mans noch mit dem 2 Liter-Vierzylinder-Motor und erzielte dort den 5. Platz mit Masten Gregory und Bob Holbert. Zwei weitere Werkswagen starteten in Le Mans 1961 unter dem Label „RS 61“ oder „718/4“, es waren die als „Le Mans Coupés“ bezeichneten Werkswagen 718-045 und 718-046. Wie der Spyder 718-047 hatten sie die neuere, gestreckte Frontpartie, waren aber geschlossene Fahrzeuge. Anders als der 047-Spyder hatten sie noch den alten Radstand des RS 60 (2,20m) und nicht den verlängerten von 2,335m, der beim 718-047 für den späteren Einbau des Achtzylinder-Motors notwendig war. Die Coupé-Karosserie wurde übrigens von F. A. („Butzi“) Porsche entworfen, der später für die Form des 904 und des 911 verantwortlich war. Das Le Mans-Coupé 718-045 hatte in Le Mans die Startnummer 32 und war mit einem 1,6 Liter-Vierzylinder-Fuhrmann-Motor ausgestattet, der 718-046 (Startnummer 30) fuhr mit einem 1,7 Liter-Motor. Auch sonst war die technische Ausstattung eher traditionell (Vergaser, Trommelbremsen), und man hatte bei Porsche sogar die Leistung gedrosselt, um die Fahrzeuge nach zwei Le Mans-Einsätzen mit hoher Ausfallquote (1959, 1960) endlich wieder über die 24 Stunden zu bringen. Für einen Angriff auf die favorisierten 3 Liter-V12-Ferrari Testa Rossa, 1961 aerodynamisch stark modernisiert, rechnete man sich in Le Mans, wo Motorleistung eher zählt als Straßenlage oder geringes Gewicht, ohnehin kaum Chancen aus. Ankommen war oberstes Ziel. Die Nr. 30 fuhren Porsches Starpiloten aus der Formel 1, Dan Gurney und Joakim Bonnier, und die Nr. 32 lenkten Edgar Barth (Vater von Jürgen Barth) und Hans Herrmann. Am Ende kamen zwei der drei Werks-Sportwagen ins Ziel, der Spyder auf Platz 5 und das Coupé mit der Nr. 32 auf Platz 7. Das war´s! Die beiden Le Mans Coupés kamen in dieser Form zu keinem weiteren Renneinsatz. Der 718-046 wurde für die Saison 1962 zwecks Aufnahme des neuen Achtzylinder-Rennmotors umgebaut (u.a. Verlängerung des Radstands) und startete 1962/1963 als „718/8 GTR Coupé“ bei der Targa Florio (Gesamtsieg 1963), in Le Mans (nur 1963) und am Nürburgring (1962 und 1963). Dieses für 1962 umgebaute Coupé ist also vom ursprünglichen 1961er „Le Mans Coupé“ deutlich zu unterscheiden, erkennbar nicht nur am längeren Radstand, sondern an vielen weiteren kleinen Karosseriedetails. Was im Übrigen aus dem RS 61 Nr.718-045 wurde, ist nicht bekannt.“ Soviel also zur Geschichte der Originalfahrzeuge. Jetzt war ich natürlich gespannt, wie Spark die Modelle realisiert hat. Auf den ersten Blick bekommt der Käufer fein gefertigte Resinminiaturen mit vielen Details. Die Fertigungsqualität ist gut, die silberne Lackierung ist natürlich fast zu schön und hochglänzend. Also alles gut, oder? Wenn man dann genauer recherchiert, merkt man leider, dass bei Spark wieder einmal geschludert wurde. Beide Modelle haben den gleichen Radstand, das ist schon einmal der erste grobe Fehler. Beim Coupé findet man einen Versatz beim Motorhaubenspalt zwischen Dachaufbau und Flanke, den das Vorbild nicht hat. Dementsprechend sind die seitlichen Lüftungsschlitze zu weit hinten und das Dach wirkt zu lang. Von Kleinigkeiten wie der nicht ganz korrekt platzierten Startnummer am Heck mag ich gar nicht mehr reden. Beim Spyder stimmen aufgrund des zu kurzen Radstands die Proportionen nicht, dazu hat man die Anzahl der seitlichen Lüftungsschlitze vertauscht, beim Original findet man je drei zwischen Türe und Motorhaube, aber vier in der Haube. Beim Modell ist es genau umgekehrt. Nett finde ich, dass man den etwas ungewöhnlich platzierten Motor für den innenliegenden Scheibenwischer nicht vergessen hat, aber warum lässt man dann den Wischer weg? Da hilft auch ein fein nachgebildetes Cockpit nicht mehr. Ob dann die Felgen etwas zu tief und die Reifen eine Idee zu breit sein mögen, finde ich nicht mehr so wichtig, wenn die Modelle solche entscheidenden Fehler haben. Vielleicht sollte Spark bei historischen Rennautos mehr Zeit in die Recherche stecken und auch mal Spezialisten konsultieren. Aber viele Sammler scheinen die Modelle zu akzeptieren, bei Raceland sind alle drei bereits ausverkauft...
Porsche 718 RS 61 Porsche System 5° Le Mans 1961, Spark, Bestellnummer S9732, Auslieferung Oktober 2025, keine bekannte Limitierung, Made in Madagascar.
Porsche 718 RS 61 Coupé Porsche System Le Mans 1961, Spark, Bestellnummer S9734, Auslieferung Oktober 2025, keine bekannte Limitierung, Made in Madagascar.
Fotos und Text: Rudi Seidel und Hayo Herrmann






































