Sonntag, 17. August 2025

Spektakuläres Auto, tolles Modell - Maserati Tipo 61 Birdcage Le Mans 1960 von Spark, 1:43

Nachdem Maserati zum Ende der Saison 1957 aus finanziellen Gründen die werkseitige Beteiligung am Rennsport stoppte und man nur mit Hilfe des Staates einen Bankrott vermeiden konnte, war ein Jahr später dank des Serienmodells 3500 GT zumindest wieder ein kleines Licht am Ende des Tunnels sichtbar. So startete Ing. Giulio Alfieri, damals Chefingenieur in Modena, mehr oder weniger in seiner Freizeit, über einen Zweiliter-Rennsportwagen für solvente Kunden nachzudenken. Um Geld und Zeit zu sparen, versuchte man, zahlreiche vorhandene Komponenten zu nutzen, als Basis diente der 200 SI, ein allerdings weniger erfolgreiches Design. Sein Zweiliter-Vierzylinder wurde weiterentwickelt und um 45° zur Seite gedreht, um Bauhöhe einzusparen. Die Aufhängungen kamen im Prinzip vom erfolgreichen Formel 1-Renner 250F, also hinten eine De-Dion-Achse mit Querblattfeder. Mit Teleskopdämpfern und Scheibenbremsen modernisierte man das Chassis, aber der besondere und namensgebende (Birdcage!) Rohrrahmen aus vielen sehr dünnen Elementen war die große Besonderheit des Tipo 60. Die Leichtmetallkarosserie war sehr knapp und kompakt und sorgte für das typische Aussehen dieser Maseratis. Das erhoffte Interesse für einen modernen Zweiliter-Rennsportwagen blieb nahezu aus, aber speziell Kunden in den USA wünschten einen Dreiliter. Alfieri machte sich an die Arbeit und schaffte es, den Vierzylinder bis auf 2890 ccm zu vergrößern. Da der Birdcage Tipo 61 wesentlich leichter als die Konkurrenten war, ging man davon aus, Chancen auf Gesamtsiege zu haben, obwohl man nur 250 PS gegenüber rund 300 der Ferraris zur Verfügung hatte.

Jetzt kam der Amerikaner Lloyd „Lucky“ Casner auf den Plan: Sein Projekt eines professionellen Rennteams namens Camoradi (Casner Motor Racing Division) entstand zuerst auf der Basis eines Crowd Fundings und dann mit der Unterstützung von Goodyear, die eine neue Serie von Hochleistungsreifen bewerben wollten. Geld für Spitzenfahrer und passende Autos war vorhanden und so reiste Casner nach Italien, um den Maserati-Chef Omer Orsi zu treffen und der erste Kunde zu werden, der den Birdcage Tipo 61 bekam. Camoradi setzte seine Autos unter anderem bei der Sportwagen-WM 1960 ein, der erste Erfolg kam bei den 1.000 Km am Nürburgring mit der Topbesetzung Stirling Moss/Dan Gurney.

Für die 24 Stunden von Le Mans meldete Casner alle seine drei Birdcages. Um das neue Reglement der hohen Windschutzscheiben auszutricksen, konstruierte Giulio Alfieri eine Scheibe, die bereits an der Vorderachse begann und ziemlich flach stand. Dazu kam ein verlängertes Heck, damit war der „Streamliner“ geboren. Mit 707 Kg war er etwas schwerer als die normalen Tipo 61, aber immer noch viel leichter als die Ferraris, die als Hauptkonkurrenten gesehen wurden. Die gute Aerodynamik sorgte für einen günstigeren Spritverbrauch und eine Spitze von 273 Km/h auf der Mulsanne-Geraden. Masten Gregory übernahm vom Start weg die Führung, leider versagte beim Fahrerwechsel auf den Copiloten Chuck Daigh der Anlasser, die Reparatur kostete 55 Minuten. In der neunten Stunde kam dann das Ende in Form eines größeren Elektrik-Defekts. Die anderen beiden Birdcages, die nicht über die große Windschutzscheibe verfügten, blieben ebenfalls auf der Strecke.

Als es bei Spark noch gedruckte Kataloge gab, machte man uns den Mund mit der Ankündigung des Streamliners schon wässrig, Jahre später dürfen wir das Modell vorstellen. Über das Ergebnis kann man sich wirklich freuen. Die Grundform ist perfekt getroffen, schöne Details, feine Speichenräder, saubere Beklebung, das ist mittlerweile der Standard auch bei Modellen aus der Produktion in Madagaskar. Die sichtbaren Teile des Gitterrohrrahmens sind glücklicherweise nicht fotogeätzt, sondern dreidimensional produziert. Die riesige Frontscheibe sitzt perfekt, der Scheibenwischer ist allerdings zu lang und zu weit oben, außerdem hängt er sozusagen in der Luft, wie sollte er angetrieben worden sein? Die Abdeckung des Beifahrersitzes steht vorne etwas über die Scheibe, bei 273 Km/h wäre sie so sicher weggeflogen. Und die fünf Nieten hinten sind überdimensioniert und stehen zu eng zusammen. Und wenn ich schon am Meckern bin, sollte noch der etwas dünne Camoradi-Schriftzug an der Schnauze sowie das etwas zu weit mittig platzierte, aber sehr feine Lenkrad erwähnt werden. Aber genug Kritik, insgesamt gefällt mir der Birdcage ausnehmend gut! Perfekte Scheinwerferabdeckungen, Goodyear-Reifen in der richtigen Dimension mit originalgetreuer Beschriftung und vor allem maßstäbliche Gestaltung machen Freude. Hoffen wir mal, dass Spark mit diesen Maserati-Modellen Erfolg hat, da gäbe es noch eine ganze Menge Vorbilder, die in 1:43 gefragt wären.

Maserati Tipo 61 Birdcage Le Mans 1960, Spark, Bestellnummer S4726, Auslieferung August 2025, keine bekannte Limitierung, Made in Madagascar.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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