Sonntag, 10. August 2025

Nett, aber leider nicht ganz gelungen - Lancia Fulvia 3 Coupé von Matrix für das Ravensberger Handelskontor, 1:43

Nachdem Thomas Langejürgen vor fast zwei Jahren bei Norev ein Modell seines persönlichen Lancia Fulvia Coupé in 1:18 produzieren ließ, folgt jetzt eine Miniatur in 1:43, die bei Matrix Scale Models verwirklicht wurde.

Lancia war schon immer für innovative Lösungen im Automobilbau bekannt, allerdings hatte man eher keinen Blick für finanzielle Realitäten. Wie hätte es sonst sein können, dass in den 60er Jahren jede der drei produzierten Baureihen technisch völlig unterschiedlich waren? Die Oberklasse war mit der Flaminia vertreten, hier baute man V6-Triebwerke ein und montierte das Getriebe an der Hinterachse. Die mittlere Reihe mit dem Namen Flavia hingegen besaß einen Vierzylinder-Boxermotor und Frontantrieb. Die kleinere Fulvia schließlich folgte der Tradition der Marke insofern, dass man für sie einen kleinen V4 mit engem Winkel von rund 13° und nur einem Zylinderkopf konstruierte, wie er ähnlich schon Vorgängermodelle motorisierte. Man setzte auch hier auf den Frontantrieb, die 1963 präsentierte Limousine zeigte ein eher konventionelles, nicht gerade elegantes Design. 1965 wurde die Reihe durch ein zierliches Coupé erweitert, dessen Form nicht von einem der großen Carrozzieri kam, sondern im eigenen Konstruktionsbüro unter der Leitung von Pietro Castagnero entstand. Vor allem der filigrane Dachaufbau und die Abschrägung an der Front der Motorhaube, die sich an den Flanken bis zum abgeschnittenen Heck fortsetzte, prägten die Form. Über die Jahre gab es unzählige Varianten mit unterschiedlichen Motoren und Ausstattungen, dazu kamen die Rallyeerfolge, die Lancia mit dem Coupé einsammelte. Als die Firma 1969 vor dem Zusammenbruch stand, wurde sie inklusive eines riesigen Schuldenbergs von Fiat übernommen. Mit der zweiten Serie kam ein weiterentwickeltes Fulvia Coupé aus dem Werk, das Grundmodell hatte nun 1300 ccm und 90 PS, der breitere Kühlergrill und weitere Details verschönerten die Optik. Ab Frühjahr 1975 bot man das Fulvia 3 Coupé an, das Vorbild des Matrix-Modells. Vor allem der mattschwarze Kühlergrill aus Kunststoff, weiß hinterlegte Rundinstrumente, Kopfstützen und ein nicht besonders hübsches Lenkrad, ebenfalls aus Kunststoff, waren die auffälligsten Veränderungen. Anfang Januar 1976 lief die letzte Fulvia 3 vom Band. Mit 139.799 Stück war das kleine Coupé durchaus ein Erfolg, auch wenn es natürlich nie als Massenprodukt gedacht war.

Mit dem Modellauto verbinden sich zwei persönliche Geschichten. Die erste kommt von Thomas Langejürgen, dem Inhaber des Modellautogroßhandels Ravensberger Handelskontor. Bereits im Alter von 18 Jahren kaufte er seine Fulvia 1984 am Gardasee als guten Gebrauchtwagen und hegt und pflegt sie bis heute. Eine der von Matrix exklusiv für seine Firma in einer Auflage von 100 Exemplaren gefertigte Variante in Bleu Agnano mit cognacfarbenem Interieur entspricht genau diesem Vorbild, sogar die Kennzeichen wurden reproduziert, dankenswerterweise ohne „H“. Zwei weitere Versionen werden in der gleichen Stückzahl in Verde Cascine und Rosso Corsa angeboten.

Die zweite Geschichte kommt von mir, auch ich hatte das Glück, einige Jahre eine Fulvia 3 zu besitzen. Da mein Vater als Fiat-Händler 1975 gedrängt wurde, die Marke Lancia dazu zu nehmen, gehörte zur Erstlieferung auch eine Fulvia. In der Stadt Hof konnte niemand etwas mit dem kleinen, unbekannten Coupé anfangen, so fand sich kein Käufer, der die 12.990,- DM ausgeben wollte. Ford Capri, Opel Manta usw. waren bei jungen Fans wesentlich gefragter. Da ich im Juni 1975 mein Abitur bestanden hatte, war die Fulvia 3 in Giallo Maya das passende Geschenk, mit dem Kennzeichen HO-T3 machten wir die Straßen der näheren und weiteren Umgebung unsicher. Der Alltag mit wenig Pflege, viel Salz und dauerhafter Ausnutzung der Leistungsreserven war allerdings nicht förderlich für ein langes Autoleben, bereits 1983 mussten wir uns trennen, Rost ohne Ende und schließlich ein kapitaler Motorschaden bedeuteten das Ende der Fulvia. Aber die Erinnerung an Reisen nach Italien, Frankreich, Korsika oder Dänemark bleibt, alleine sechsmal besuchten wir die Pressetage des Autosalons in Genf.

Das Fulvia Coupé von Matrix ist in der für diesen Hersteller typischen Machart produziert, also aus Resin und mit sehr vielen kleinen Chrom- und Fotoätzteilen. Im Großen und Ganzen ist unser Fotomuster gut verarbeitet, allerdings zeigen sich bei den Detailbildern schon kleinere Schwächen. Die Lackierung ist hochglänzend und tadellos. Scheinwerfer und Rücklichter sind gut reproduziert, im Cockpit wurden die Eigenheiten der dritten Serie berücksichtigt. Wie bei Thomas Langejürgens Originalfahrzeug ist das Modell mit den aufpreispflichtigen Cromodora-Leichtmetallrädern ausgestattet. Das Lancia-Logo im Kühlergrill ist sehr fein, aber etwas zu groß, bei den an sich sehr feinen Rahmen der Seitenscheiben vermisse ich lediglich die Nachbildung des hinteren Ausstellfenster, aber das ist schon Nietenzählerei, wie man es bei Modelleisenbahnern bezeichnen würde. Als größeres Problem sehe ich die Wiedergabe der Gesamtlinie des kleinen Coupés. Leider hat man sich nicht am perfekten Norev-Modell in 1:18 orientiert. Meines Erachtens ist die Motorhaube im Frontbereich etwas dick, dem Dachaufbau fehlt die Filigranität des Originals und das Heck wirkt zu lang und fällt nach hinten ab. Das sieht irgendwie wie ein schlecht reparierter Unfallschaden aus. Beim Nachmessen und Umrechnen stellt man fest, dass das Modell gut 2mm zu breit und zu lang ist, dafür ist der Radstand zu kurz. Das fällt allerdings nur im Vergleich mit anderen Modellautos richtig auf, dennoch fragt man sich, warum gerade Matrix oft so unpräzise arbeitet.

Bleibt als Fazit: Wer ein wirklich gutes Modell des Lancia Fulvia 3 Coupé will, sollte den Norev in 1:18 wählen, wer wie ich eingefleischter 1:43-Sammler ist, muss mit dem Kompromiss von Matrix leben oder verzichten, da zu befürchten ist, dass es so bald keine weitere und bessere Miniatur dieses Autos geben wird.

Fotos und Text: Rudi Seidel

unsere fachhandelspartner:

Falls Sie Interesse an unserem Partnerprogramm haben freuen wir uns über eine Nachricht an info@auto-und-modell.de.