Dienstag, 5. August 2025

Das teuerste Auto der Welt - Mercedes 300 SLR Uhlenhaut Coupé von Schuco, 1:43

Nach dem Erfolg bei den 24 Stunden von Le Mans 1952 plante Mercedes ursprünglich, im Folgejahr mit einem weiterentwickelten 300 SL weiterzumachen. Da man laut Entwicklungschef Nallinger aber bereits mit der Konstruktion eines 2,5-Liter- Rennwagens für die Formel 1 ab 1954 ziemlich weit gekommen war, wurde der Einsatz für die Saison 1953 gestrichen. Dafür sollte für die kommende Sportwagenweltmeisterschaft eine Variante des W196 Monoposto mit drei Liter Hubraum entwickelt werden, eben der W196S. Obwohl man den Sportwagen als offenen Zweisitzer plante, gab es bald die Idee eines Coupés für schnelle Strecken wie Le Mans, es sollte allerdings einige Zeit vergehen, bis nach sechs offenen 300 SLR Ende Juli 1955 das erste von zwei Coupés entstand. Laut Denis Jenkinson, dem englischen Motorjournalisten und Mille Miglia-Beifahrer von Stirling Moss, hatte man vor, mit dem Coupé die Carrera Panamericana 1955 zu bestreiten, leider fand das Rennen wie viele andere nach der Katastrophe von Le Mans nicht statt. So blieben die beiden geschlossenen Fahrzeuge ohne Renneinsatz, lediglich im Training beim GP Schweden, der Tourist Trophy und der Targa Florio war das erstgebaute Coupé dabei. Da Mercedes zum Ende der Saison 1955 alle Rennaktivitäten einstellte, wurden alle 300 SLR mehr oder weniger eingemottet. Lediglich einige Probe- und Einstellungsfahrten fanden noch statt, am spektakulärsten war sicherlich der Test durch Robert Braunschweig, den damaligen Chefredaktor der Schweizer Automobil Revue. Kaum vorstellbar, dass für die Ermittlung der Höchstgeschwindigkeit am 12. September 1956 kurzerhand ein Abschnitt der A8 von München nach Ingolstadt gesperrt wurde und der 300 SLR mit 290 km/h gemessen wurde!

Zurück zu den beiden produzierten Coupés 196.110-00007/55 (Der „Blaue“) und 196.110-00008/55 (Der „Rote“): Während das erste Fahrzeug eine amtliche Zulassung erhielt und die vorher erwähnten Einsätze absolvierte, wurde 00008 erst im Dezember 1955 montiert und abgestellt. Von 1956 bis 1963 sind einige Demonstrationsfahrten dokumentiert, unter anderem mit dem damaligen Duke of Kent. Die Spitznamen der Autos bezog sich auf die Farbe der Innenausstattung, ein deutliches Unterscheidungsmerkmal ist der Tankeinfüllstutzen, der beim „Blauen“ aus der Heckscheibe ragte und beim „Roten“ unter der Heckhaube versteckt wurde. Mit nahezu 300 PS und einem Gewicht von 1128,5 kg (mit vollem 154-Liter-Tank (!)) waren die Fahrleistungen für Mitte der 50er Jahre unglaublich, bei vollem Einsatz schluckte der Achtzylinder-Reihenmotor 28 Liter/100 km.

Als Daimler-Benz 2022 meldete, dass eines der beiden Coupés versteigert werden sollte, geriet die Klassikerwelt in Aufruhr. Die Uhlenhaut-Coupés seien "Meilensteine der Sportwagen-Entwicklung und wichtige historische Eckpfeiler unserer Marke", sagte Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz. Mit dem Erlös werde ein weltweites Stipendienprogramm, der "Mercedes-Benz Fund", finanziert. Damit solle eine neue Generation ermutigt werden, neue Technologien zu entwickeln, insbesondere zu Dekarbonisierung und Ressourcenschonung, so Källenius weiter. Die Gelder seien für Studierende sowie Schülerinnen und Schüler vorgesehen, die ansonsten nicht über ausreichend finanzielle Mittel verfügen. In einer nicht öffentlichen von RM Sotheby's organisierten Auktion, bei der nur einige finanzkräftige Bieter teilnehmen durften, ging der „Rote“ für 135 Millionen Euro an einen unbekannten neuen Besitzer, natürlich ein absoluter Rekordpreis für ein Auto!

Auf ein aktuelles Modell des Uhlenhaut-Coupés in 1:43 haben sicherlich viele Sammler gewartet. Die fast 20 Jahre alte Miniatur von Minichamps kann heutigen Ansprüchen nicht mehr ganz genügen. Nun hat sich also Schuco bzw. Spark an die Aufgabe gewagt, dieses spektakuläre Auto nachzubilden. Seit der Fusion der beiden Marken werden Straßenfahrzeuge unter dem Label der bekanntesten deutschen Spielzeugmarke angeboten.

Den Käufer erwartet eine Resinminiatur mit vielen kleinen Details, wie man sie von diesem Hersteller gewohnt ist. Die Form scheint mir gut getroffen, die Lackierung in einem nicht zu glänzenden Silberton gefällt mir gut, auch wenn der heutige Zustand des 300 SLR eher einer modernen Lackierung mit Klarlack entspricht. Der am Modell etwas grobe Außenspiegel wurde erst später montiert, der fehlende Nummernschildrahmen am Heck entspricht dem Zustand in den 50er Jahren, das Coupé mit der 00008 war damals nicht zugelassen. Stern, D-Schild und Typenbezeichnung auf dem „Kofferraumdeckel“ sind Fotoätzteile wie auch die farbig ausgelegten Rückleuchten. Das Gitter für die Cockpitbelüftung vor der Windschutzscheibe wirkt etwas plump, vielleicht ist es etwas zu dick verchromt. Die Fenstereinsätze weisen feine Scheibenrahmen in Silber und Schwarz auf, die Speichenräder sind für ein Serienmodell ok, man hat originalgetreue Zentralverschlüsse mit Stern montiert, bei meinem Muster allerdings nicht immer perfekt mittig. Die Reifen sind nicht zu breit, allerdings müssten sie auf den Hinterrädern größer sein. Vom Cockpit sieht man durch die kleinen Scheiben nicht viel, ich wollte der Sache auf den Grund gehen und habe das Modell mit sanfter Gewalt geöffnet. Es ist alles soweit gut reproduziert, sogar die kuriose Position der Pedale: Gas und Bremse sind rechts vom Kardantunnel angeordnet, die Kupplung links. Das erfordert vom Piloten eine breitbeinige Haltung, fast wie beim Reiten.

Bis auf Kleinigkeiten bekommt der Sammler also ein attraktives Modell des bisher teuersten Autos, schwer vorstellbar, dass die 135 Millionen Euro einmal übertroffen werden, aber wer weiß...

Fotos und Text: Rudi Seidel

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