Donnerstag, 15. Februar 2024

Spektakuläre Studie - Alfa Romeo 6C 3000 Superflow Pininfarina 1956 von Kess Models, 1:43

In den Fünfziger Jahren versuchten die großen italienischen Carrozzieri, Konzepte für die Zukunft zu entwickeln. Man war noch von Amerika, von der Raumfahrt oder vom Zeitalter der Düsenjets beeinflusst, und so entstanden extreme Kreationen wie Franco Scagliones BAT-Serie bei Bertone, aber auch die Alfa Romeo Superflow I bis IV, die bei Pininfarina unter der Leitung von Aldo Brovarone entstanden. Der erste Prototyp vom Turiner Salon 1956 auf Basis des Nachkriegsrennsportwagens 6C 3000 war sehr speziell, mit durchsichtigen Vorderkotflügeln, Heckflossen und einer Glaskuppel als Dach. Die zweite Version war schon etwas zahmer, mit richtigen Kotflügeln, allerdings ohne den schönen Scudetto an der Front, dann kam ein Spider mit aerodynamischen Kopfstützen im Stile eines Rennwagens, der auch schon die Heckflossen verloren hatte. Auf dem Genfer Salon 1960 präsentierte man als letzte Entwicklungsstufe den Super Flow IV. Die Glaskuppel blieb, die Panoramascheibe verschwand, und das Heck und die Seitenlinie zeigten bereits starke Anklänge an den Alfa Romeo Osso di Sepia bzw. Duetto. Ohne Klimaanlage wäre dieser Dachaufbau sicherlich nicht praxisgerecht gewesen. Mit ziemlicher Sicherheit entstanden übrigens alle vier Varianten auf dem gleichen Chassis 0128, das bei Alfa Romeo seit 1953 herumstand und dann an Pininfarina ging. Das erklärt auch, dass nur die letzte Version überlebt hat und noch heute existiert.

Kommen wir zum ersten Superflow zurück: Aldo Brovarone, der den Entwurf schuf, verwirklichte extravagante Ideen. Die Glaskuppel mit Panoramascheibe, die zweiteiligen Türen, deren Fensterteil nach oben klappte und die Flossen auf dem runden Heck hätten eigentlich schon gereicht, um Aufsehen zu erregen. Höhepunkt waren aber die transparenten Oberteile der vorderen Kotflügel, von denen auch die in Chromgehäusen steckenden Scheinwerfer mit abgedeckt wurden. Brovarone meinte später in einem Interview, dass er sich an die Stromlinienrenner der Auto Union erinnerte, bei denen kleine Fenster in den Kotflügeln dem Fahrer einen Blick auf den Zustand der Reifen ermöglichten. In der Praxis kann man sich gut vorstellen, wie das Auto nach einer längeren Tour bei schlechtem Wetter ausgesehen hätte. Die Farbgebung in Weiß mit Blau wiederholte sich im Interieur.

Von Kess erschienen kürzlich die ersten beiden Versionen des Superflow, ich finde persönlich den ursprünglichen Entwurf am interessantesten. Wie von diesem Hersteller gewohnt, liegen Licht und Schatten nah beieinander. Die Grundform ist gut getroffen, Lackierung und Detaillierung sind von hoher Qualität. Die Glaskuppel ist ein Formteil, das bringt Stabilität und die Sicherheit, dass sich mit der Zeit keine Scheiben lösen, die höhere Materialstärke ist kein großes Problem. Die Speichenräder sind ok, die Reifen etwas breit und vor allem sollten an der Hinterachse keine Bremstrommeln zu sehen sein, die waren beim Vorbild am Differenzial montiert. Das Interieur in weiß und blau ist sehr schön reproduziert, vor allem das sehr spezielle Lenkrad. Interessant ist die Mittelkonsole vor dem Schalthebel, die war im Original beim Turiner Salon noch nicht vorhanden, es gibt aber Fotos, wo sie zu sehen ist, da wurde wohl später nachgearbeitet. Größter Schwachpunkt ist leider das auffälligste Element, nämlich die transparenten Kotflügel. Auch hier hat man Formteile verwendet, die zu dick sind und nicht gut passen, wie man an den Flanken und an den Spalten an der Front sieht. Die beim Original sichtbaren Befestigungsschrauben sind nicht nachgebildet, das ist insgesamt eher enttäuschend. Dass Kess die Scheibenwischer vergessen hat, ist dagegen ein vergleichsweise kleines und lösbares Problem. Ein kurioser Fehler ist mir später noch aufgefallen, die feinen Schriftzüge am Heck müssten "Superflow" lauten, beim Modell steht da "Superfast", der Name gehört allerdings zu einem Ferrari!

Unser Fotomuster kommt von Supercars in München, vielen Dank für die Unterstützung.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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