Sonntag, 7. Januar 2024

Erfolgloser Exote - Fiat X1/9 Dallara Leinberger Racing DRM 1977 von Spark für Raceland, 1:43

Ende 1972 präsentierte Fiat den X1/9, einen kleinen, keilförmigen Mittelmotorsportwagen als Nachfolger des 850 Spider. Die Technik stammte hauptsächlich aus der Baureihe 128, die Form gestaltete der damals bei Bertone tätige Marcello Gandini, unter anderem auch Vater der Lamborghini Miura und Countach. So sah der Fiat wie eine Miniaturausgabe dieser Supersportwagen aus, dazu kam, dass er mit einem Überrollbügel und einem herausnehmbaren Dachteil ausgerüstet war, was einerseits offenes Fahrvergnügen und andererseits Karosseriestabilität brachte. Natürlich konnte der ursprüngliche OHC-Vierzylinder mit 1300 ccm keine Wunder vollbringen, mit 75 PS bei 880 Kg waren die Fahrleistungen zwar nicht schlecht, aber gegen die kommenden Sportlimousinen à la VW Golf GTI hatte der X1/9 trotz seiner Wendigkeit und guter Straßenlage keine Chance. Für Fiat und Bertone war der kleine Renner durchaus ein Erfolg, insgesamt entstanden bis 1987 ungefähr 165.000 Exemplare, von denen viele in den USA landeten.

Natürlich entstanden Ideen, den X1/9 im Rennsport einzusetzen, es gab sechs Prototypen von Abarth, Vierventilköpfe von Dallara und ebenfalls Abarth, aber der Konzern setzte dann doch auf den Lancia Stratos sowie den Fiat 131, von denen man sich mehr Erfolge und Werbewirksamkeit versprach. 1975 präsentierte Dallara auf dem Pariser Salon einen für die kommende Silhouette-Formel der Gruppe 5 konstruierten Rennwagen, den Icsunonove Dallara. Mit einem Rennfahrwerk, einer stark verbreiterten GFK-Karosserie von Bertone sowie einem auf 1.600 ccm vergrößerten 16V-Triebwerk entstand ein filigranes Fahrzeug, das mit 690 Kg und über 200 PS vor allem für Bergrennen Erfolg versprach. Immerhin 30 Exemplare des Flitzers mit großem Heckflügel entstanden bei Dallara.

Richard Leinberger war ein Händler- und Berufskollege meines Vaters, seine Fiat-Vertretung in Weidensees in der Fränkischen Schweiz eröffnete er 1963, da gab es die Firma Auto-Seidel in Hof bereits fünf Jahre. Leinberger ging aber auch bald seiner Leidenschaft nach und bewegte alle möglichen Fiat-Modelle in Rennen und Rallyes, in den Augen meines alten Herren war das eine Spinnerei. 1973 verlegte man sich auf das Tuning von Fiat-Fahrzeugen, zum Team kam der Maschinenbau-Ingenieur Dietmar Breit und man firmierte nun als Leinberger Racing. Natürlich sah man in Weidensees mit Interesse, was Dallara aus dem X1/9 entwickelt hatte, kaufte einen der Renner und optimierte ihn weiter. Sowohl die Aerodynamik als auch die Leistung wurden verbessert, der kleine 1,6-Liter Vierzylinder wurde bis auf rund 230 PS bei 10.000 1/min hochgekitzelt. Der Plan, damit in der DRM gegen die 2-Liter von Ford und BMW anzutreten, war sicher von großem Enthusiasmus geprägt, realistische Chancen dürfte man sich nicht ausgerechnet haben. Gefahren wurde der X1/9 von Wolfgang Wolf, einem von 1970 bis 1989 aktiven Rennfahrer, der vor allem mit Tourenwagen und später im Porsche-Cup mitmischte. Leider war die Technik des Fiat wohl doch zu filigran, Wolf kam in keinem der fünf Rennen, an denen er teilnahm, ins Ziel. Dennoch war der X1/9 ein schöner Farbtupfer im Kreise der Escort und BMW 320.

Manchmal leistet sich Friedrich Lämmermann das Risiko, in seiner Gold Edition ganz spezielle Modellautos bei Spark in Auftrag zu geben, ohne sicher zu sein, dass man davon 300 Stück in absehbarer Zeit absetzen kann. Wir Sammler sollten uns darüber freuen, wer hätte erwartet, dass solche Vorbilder als Fertigmodelle produziert werden. Ich denke, dass der Dallara-Fiat auch in Italien gut ankommen wird, dort gibt es auch eine größere 1:43-Sammlergemeinde. Es ist gar nicht so einfach, Fotos vom Original am Norisring zu finden, viele andere Bilder zeigen, dass das Leinberger-Team ständig am Umbauen war, ob Räder, Spoiler oder Lackierung. Aber Raceland konnte sicherlich auf andere Quellen zurückgreifen. Auf jeden Fall stimmen für Nürnberg die vermutlich verwendeten BBS-Tiefbettfelgen und die Beklebung. Die Form der Bertone-Karosserie ist insgesamt gut getroffen, minimale Schwächen sehe ich bei der etwas zu runden Front oberhalb der Scheinwerfer und den zu dicken A-Säulen. Die Verarbeitung der Miniatur ist in Ordnung, eine ganze Menge feiner Ätzteile wurden präzise montiert. Abschleppösen, Wischer, Haubensicherungen hinten, Notschalter, Flügelendplatten und Gitter an der Front, vor der Windschutzscheibe sowie am Heckabschluss. Ich hätte mir noch eingesetzte Türgriffe gewünscht, aber irgendwo gibt es sicherlich Grenzen. Scheinwerfer und Rücklichter sind dafür perfekt. Ein schönes Lenkrad schmückt das Cockpit mit dem originalgetreuen Käfig, der beim Vorbild zusätzliche Stabilität brachte.

Insgesamt stellt Racelands Fiat X1/9 Dallara eine attraktive Ergänzung dar, wenn man sich für DRM, Gruppe 5 oder einfach schöne Rennautos aus den 70ern interessiert.

Fiat X1/9 Dallara Gr. 5 Leinberger Racing DRM Norisring 1977, Raceland Gold Edition made by Spark, Bestellnummer RS1746, Auslieferung Januar 2024, limitiert auf 300 nummerierte Exemplare, Made in Madagascar.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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