Freitag, 5. Januar 2024

Erster Versuch - Serenissima 308 Jet Competizione Testtag Le Mans 1966 von Spark, 1:43

Es ist erstaunlich, dass wir innerhalb von gut vier Jahren bereits das dritte Modell der Marke Serenissima vorstellen können, einem kleinen, kurzlebigen Produzenten von Renn- und Sportwagen aus Italien, aus dessen Werkstätten kaum zehn Exemplare rollten. Wer die bisherigen Berichte nachlesen will, findet sie in unserem Archiv unter „Autocult“ und „Spark“. Die gerade erschienene Serenissima 308 Jet Competizione von den Testtagen 1966 in Le Mans ist übrigens dem gleichen Vorbild nachempfunden wie das im September 2019 präsentierte Modell von Avenue 43. Das Team um Thomas Roschmann hat allerdings den aktuellen Zustand des Sportwagens nachgebildet, der im Besitz eines Geschäftsmanns aus der Schweiz ist. Spark hingegen hat sich der Aufgabe gestellt, das Auto so zu zeigen, wie es damals bei den Testtagen antrat.

Basis des Jet Competizione war die Serenissima 308 V, ein nach Entwürfen von Franco Scaglione von der Carrozzeria Gran Sport eingekleidetes, von Alberto Massimino konstruiertes Mittelmotorcoupé mit einem 3 Liter-V8, der angeblich auf dem 2,5-Liter Triebwerk des ATS 2500 GT basierte, einer Colotti-5-Gang-Box und einem Rohrrahmen mit unabhängig aufgehängten Rädern. Allerdings waren die Fahreigenschaften und die Leistung auf der Straße eher enttäuschend, deshalb wurde die Serenissima unter der Leitung von Alf Francis, dem früheren Rennmechaniker von Stirling Moss, modifiziert und bekam statt der Fahrgestellnummer 001 die 003. Aus einer Straßenversion mit Stoßstangenecken wurde ganz schnell der 308 Jet Competizione, mit dem man 1966 in Le Mans teilnehmen wollte.

Bereits am 3. April waren Testtage angesetzt, zu denen die meisten Teams erschienen. Am meisten Aufsehen erregte sicherlich der nagelneue Ford GTJ, der allerdings zum Rennen am 14. Juni nicht antrat. Ein schwerer Unfall mit einem Ford Mk II kostete den Amerikaner Walt Hansgen das Leben. Neben den ebenfalls neuen Porsche Carrera 6 und dem Matra 620 nahm auch Serenissima mit dem Jet Competizione teil. Als Fahrer war ein gewisser Louis Corberto gemeldet, laut Michael John Lazzari, dem Verfasser des Buches „Scuderia Serenissima“ ein Pseudonym für Luigi Bertocco, einem italienischen Renn- und Testfahrer. Die erreichten Zeiten zeigten, dass der Jet nicht besonders konkurrenzfähig sein würde, deshalb wurde für die 24 Stunden ein Spyder gebaut, das Spark-Modell dieses Fahrzeugs haben wir hier besprochen. Am 15. Mai 1966 ging der Jet mit der Startnummer 300 beim Bergrennen Castione Baratti-Neviano Arduni an den Start, Luigi Bertocco wurde Vierter im Gesamtklassement, weitere Rennbeteiligungen sind nicht bekannt. Anfang der 70er Jahre verkaufte Conte Volpi das Auto ohne Motor in die Schweiz, das Triebwerk hatte Alf Francis in einen Lola Mk 6 eingebaut. Vermutlich 1978 trennte sich Francis von dem V8-Motor, der dann wieder seinen Weg in den Jet fand. Im Jahr 2006 hatte die nahezu im Originalzustand befindliche Serenissima ihren ersten Auftritt am Comer See im Park der Villa d'Este.

Wie anfangs gesagt, hat Spark das Auto vom Le Mans-Test als Vorbild genommen, was aufgrund des kaum vorhandenen Fotomaterials nicht einfach ist. Die Grundform ist ganz gut getroffen, allerdings wirkt das Heck nicht völlig stimmig, etwas zu kurz und zu dick. Auf dem einzigen von mir in Quentin Spurrings' „Le Mans 1960-1969“ entdeckten Farbbild von damals sieht man die Motorhaube von oben und stellt fest, dass die Form des Heckfensters nicht korrekt reproduziert wurde. Allerdings hat der Jet dort auch einen Heckspoiler, der vielleicht während der Testtage aufgenietet wurde, oder sollte es zwei verschiedene Hauben gegeben haben? Lackierung und Beklebung sind in Ordnung, ebenso die Fenstereinsätze und das spartanische Cockpit. Scheibenwischer, Scheinwerfer und Rückspiegel passen, die aluminiumsilbernen Speichenräder haben originalgetreu links und rechts unterschiedliche Zentralverschlüsse, die etwas überdimensioniert wirken. Schön, dass man die Lüftungsgitter am Heck durch mitlackierte Fotoätzteile nachgebildet hat. Die Verarbeitung ist insgesamt zufriedenstellend, lediglich die rechte Auspuffanlage hängt etwas windschief am Auto, wie der Superkleber-Nebel an der Bodenplatte zeigt, hat da jemand schlampig nachkorrigiert. Der Blick durch die Heckscheibe auf den Motor war übrigens in Le Mans nicht möglich wegen einer schwarzen Abdeckung unter dem Glas, dadurch konnte sich Spark diese Details sparen. Beim Modell von Avenue 43 hätten wir uns damals eine feinere Ausarbeitung des Triebwerks gewünscht, im aktuellen Zustand des Originals kann man ja in den Motorraum sehen. Es ist erstaunlich, dass man sich jetzt gleich zwei Modelle eines so exotischen Vorbilds in die Vitrine stellen kann, letztlich haben beide ihren Reiz sowie ihre Stärken und Schwächen.

Serenissima 308 Jet Coupé Le Mans Test 1966, Spark, Bestellnummer S9252, Auslieferung Januar 2024, keine Limitierung, Made in Madagascar.

Unser Fotomuster kommt von Supercars in München, vielen Dank für die Unterstützung.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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