Dienstag, 19. Dezember 2023

Wunderbares Modell eines kleinen Italieners - Lancia Fulvia 3 Coupé von Norev, 1:18

Lange hat uns Norev auf dieses Modell in 1:18 warten lassen, jetzt ist endlich die erste Farbvariante im Handel eingetroffen! Soviel sei gleich gesagt, die Geduld hat sich auf jeden Fall gelohnt. Und dass man die letzte Version des kleinen Lancia Fulvia Coupé ausgewählt hat, ist für mich persönlich ein besonderer Grund zur Freude, doch dazu später mehr.

Lancia war schon immer für innovative Lösungen im Automobilbau bekannt, allerdings hatte man eher keinen Blick für finanzielle Realitäten. Wie hätte es sonst sein können, dass in den 60er Jahren jede der drei produzierten Baureihen technisch völlig unterschiedlich waren? Die Oberklasse war mit der Flaminia vertreten, hier baute man V6-Triebwerke ein und montierte das Getriebe an der Hinterachse. Die mittlere Reihe mit dem Namen Flavia hingegen besaß einen Vierzylinder-Boxermotor und Frontantrieb. Die kleinere Fulvia schließlich folgte der Tradition der Marke insofern, dass man für sie einen kleinen V4 mit engem Winkel von rund 13° und nur einem Zylinderkopf konstruierte, wie er ähnlich schon Vorgängermodelle motorisierte. Man blieb beim Frontantrieb, die 1963 präsentierte Limousine zeigte ein eher konventionelles, nicht gerade elegantes Design. 1965 wurde die Reihe durch ein zierliches Coupé erweitert, dessen Form nicht von einem der großen Carrozzieri kam, sondern im eigenen Konstruktionsbüro unter der Leitung von Pietro Castagnero entstand. Vor allem der filigrane Dachaufbau und die Abschrägung an der Front der Motorhaube, die sich an den Flanken bis zum abgeschnittenen Heck fortsetzte, prägten die Form. Über die Jahre gab es unzählige Varianten mit unterschiedlichen Motoren und Ausstattungen, dazu kamen die Rallyeerfolge, die Lancia mit dem Coupé einsammelte. Als die Firma 1969 vor dem Zusammenbruch stand, wurde sie inklusive eines riesigen Schuldenbergs von Fiat übernommen. Mit der zweiten Serie kam ein weiterentwickeltes Fulvia Coupé aus dem Werk, das Grundmodell hatte nun 1300 ccm und 90 PS, der breitere Kühlergrill und weitere Details verschönerten die Optik. Ab Frühjahr 1975 bot man das Fulvia 3 Coupé an, das Vorbild des Norev-Modells. Vor allem der mattschwarze Kühlergrill aus Kunststoff, weiß hinterlegte Rundinstrumente, Kopfstützen und ein nicht besonders hübsches Lenkrad, ebenfalls aus Kunststoff, waren die auffälligsten Veränderungen. Anfang Januar 1976 lief die letzte Fulvia 3 vom Band. Mit 139.799 Stück war das kleine Coupé durchaus ein Erfolg, auch wenn es natürlich nie als Massenprodukt gedacht war.

Wie schon eingangs angedeutet, verbinden sich mit dem Modellauto zwei persönliche Geschichten. Die erste kommt von Thomas Langejürgen, dem Inhaber des Modellautogroßhandels Ravensberger Handelskontor. Bereits im Alter von 18 Jahren kaufte er seine Fulvia 1984 am Gardasee als guten Gebrauchtwagen und hegt und pflegt sie bis heute. Die erste von Norev exklusiv für seine Firma in einer Auflage von 1.000 Exemplaren gefertigte Variante in Bleu Agnano mit cognacfarbenem Interieur entspricht genau diesem Vorbild, sogar die Kennzeichen wurden reproduziert, dankenswerterweise ohne „H“. Für das Modell in 1:18 waren das optimale Voraussetzungen, zusammen mit dem ebenfalls italophilen Entwickler Sascha Voss bei Norev konnte man auch kleinste Details genau wiedergeben, natürlich immer im finanziellen Rahmen des Projekts. Die nächsten Modelle des Handelskontors kommen übrigens in Rot sowie in Orange mit mattschwarzen Hauben, Norev selbst startet im Sommer mit einem grünen Fulvia 3 Coupé, der Farbton nennt sich Verde Cascine.

Die zweite Geschichte kommt von mir, auch ich hatte das Glück, einige Jahre eine Fulvia 3 zu besitzen. Da mein Vater als Fiat-Händler 1975 gedrängt wurde, die Marke Lancia dazu zu nehmen, gehörte zur Erstlieferung auch eine Fulvia. In der Stadt Hof konnte niemand etwas mit dem kleinen, unbekannten Coupé anfangen, so fand sich kein Käufer, der die 12.990,- DM ausgeben wollte. Ford Capri, Opel Manta usw. waren bei jungen Fans wesentlich gefragter. Da ich im Juni 1975 mein Abitur bestanden hatte, war die Fulvia 3 in Giallo Maya das passende Geschenk, mit dem Kennzeichen HO-T3 machten wir die Straßen der näheren und weiteren Umgebung unsicher. Der Alltag mit wenig Pflege, viel Salz und dauerhafter Ausnutzung der Leistungsreserven war allerdings nicht förderlich für ein langes Autoleben, bereits 1983 mussten wir uns trennen, Rost ohne Ende und schließlich ein kapitaler Motorschaden bedeuteten das Ende der Fulvia. Aber die Erinnerung an Reisen nach Italien, Frankreich, Korsika oder Dänemark bleibt, alleine sechsmal besuchten wir die Pressetage des Autosalons in Genf. Meine große Hoffnung wäre ja, dass ich Thomas Langejürgen oder Sascha Voss von einem Modell in Gelb überzeugen kann, das „heiße“ Originalkennzeichen HO-T3 wäre natürlich das Tüpfelchen auf dem „I“.

In Zeiten der vielen Resin- und Diecastmodelle ohne zu öffnende Türen und Hauben freut man sich natürlich sehr, wenn auch im volkstümlichen Preislevel eine Neuentwicklung über diese Features verfügt. In dieser Beziehung macht Norevs Fulvia Coupé große Freude, weil auch die Grundform perfekt getroffen ist. Wer wie ich jede Schraube dieses Autos kennenlernen durfte oder musste, kann gut beurteilen, dass man in Aachen saubere Arbeit geleistet hat. Vor allem der Innenraum ist perfekt nachgebildet und alle speziellen Merkmale der letzten Version wurden berücksichtigt. Das im Vorbild etwas plumpe Lenkrad und die nicht besonders gelungene Grafik der weiß hinterlegten Armaturen findet sich in 1:18 genauso wieder wie die integrierten Kopfstützen und die massiven Liegesitzbeschläge. Die gut reproduzierten Räder sind die beim Original aufpreispflichtigen Cromodora-Leichtmetallfelgen, ansonsten entspricht die Miniatur genau der damaligen Serienausstattung. Die Zierleisten an Front und Heck sowie die Scheibenrahmen sind heißgeprägt, das sieht gut aus und lässt sich in der Serie leichter und feiner realisieren als separate Teile. Scheinwerfer und Rücklichter sind fein nachgebildet, wie auch die Markenzeichen und Schriftzüge. Im Motorraum findet man die wesentlichen Komponenten wie den schräg eingebauten kleinen V4 mit seinem typischen Ventildeckel, die zwei Doppelvergaser mit dem ziemlich großen Luftfiltergehäuse, Kühler, Batterie sowie den Bremsservo und die Zündkabel. Das sieht gut aus, kann allerdings dem Vergleich mit der von Autoart vor einigen Jahren produzierten Fulvia HF nicht standhalten, diese Modelle spielen allerdings inzwischen in einer anderen Liga. Im Kofferraum ist das verpackte Ersatzrad zu sehen, dass die Radläufe innen nacktes, lackiertes Blech zeigen, ist vorbildgerecht. Die Haubenscharniere sind nicht gerade filigran, aber damit kann man gut leben. Am Unterboden sind die wichtigsten Bauteile vorhanden, sowohl der vordere Hilfsrahmen, Ölwanne, Getriebegehäuse, Kraftstofftank, Aufhängungen, vorne mit Querlenkern, hinten mit Blattfedern. Die Auspuffanlage ist silberfarbig, die Antriebskomponenten leider nur schwarz. Positiv zu vermerken sind die lenkbaren Vorderräder und die funktionierende Federung mittels kleiner, kaum zu sehender Schraubenfedern, die die Fulvia natürlich nicht besaß. Die Lackierung ist sauber aufgebracht, die Verarbeitung sehr gut. Insgesamt macht dieses Modellauto große Freude!

Unsere Besprechungsmuster kommen von unseren Fachhandelspartnern Modellauto18 und Supercars, vielen Dank für die Unterstützung.

Fotos: Georg Hämel, Text: Rudi Seidel

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