Donnerstag, 30. November 2023

Extravaganter kleiner Sportwagen - Nardi 750 Coupé von Sonic für die französische Serie "Micro-Voitures d'Antan", 1:43

Es ist immer wieder erstaunlich, welche Kuriositäten für diverse Sammelserien produziert werden. Kürzlich entdeckte ich in der französischen Serie Micro-Voitures d'Antan ein Modell eines Nardi 750 Vignale in 1:43, den ich dann sofort über Ebay bestellt habe.

Als Fiat im Jahre 1955 den Kleinwagen 600 präsentierte, wurden die bekannten Tuner natürlich sofort aktiv. Neben Abarth, Siata und Stanguellini gehörte auch die Turiner Firma Nardi zu den PS-Zauberern. Mit einer Hubraumvergrößerung bis auf rund 750 ccm und den üblichen Maßnahmen zur Leistungssteigerung lieferte Nardi zwei Varianten dieses Triebwerks, den „normale“ mit 39 PS sowie den „spinto“ mit 47 PS, damit rund doppelt so viel wie das Serienauto! Damit konnte man den kleinen Viersitzer bis auf knapp 150 Km/h beschleunigen, für Fahrwerk und Bremsen sicherlich eine Herausforderung. Wer es dann extravagant haben wollte, konnte von Nardi auch ein exotisch geformtes, kleines Coupé mit Aluminiumaufbau bekommen, dessen Entwurf von Vignales Designer Giovanni Michelotti stammte. Um den winzigen Sportwagen bekannter zu machen, stellte Nardi ein Exemplar dem damals bekannten Turiner Rennfahrer Gino Munaron zur Verfügung, der damit einige Berg- und Rundstreckenrennen bestritt. Rund 50 dieser Nardi 750 wurden in die USA exportiert, wo man in den 50er Jahren ganz heiß auf europäische Sportwagen war.

Im Jahr 1959 gründete Enrico Nardi zusammen mit drei spanischen Kompagnons die Firma Nardi Espanola s.A. in Saragossa, um die für den Fiat 600 entwickelten Tuningkits auch für den praktisch baugleichen Seat 600 anzubieten. Die Spanier hatten die Ambition, selbst in die Autoproduktion einzusteigen, dafür organisierten sie Leute und Räumlichkeiten für eine kleine Serie des Nardi 750. So konnten auch in Vor-EU-Zeiten Zölle eingespart werden, die beim Import ganzer Fahrzeuge angefallen wären. Von dem im Mai 1960 in Madrid präsentierten Coupé entstanden bis 1966 wahrscheinlich 65 Stück, also rund ein Exemplar im Monat, sogar der berühmte Hollywood-Star William Holden erstand einen Nardi 750, der Transport nach Kalifornien war allerdings genau so teuer wie das Auto. Für ein Nardi Coupé hätte man damals übrigens drei serienmäßige Seat 600 kaufen können.

Nachdem der Firmengründer Enrico Nardi 1966 starb, blieb die Familie noch bis 1970 aktiv, bevor sie das Unternehmen verkaufte. Nardi ist ja noch heute für seine Sportlenkräder und weiteres Autozubehör bekannt.

Der Nardi 750 in 1:43 dürfte von Sonic kommen, der Firma, die auch die IXO-Modelle produziert und führend bei der Herstellung der Miniaturen für Sammlerserien ist. Darauf deutet auch das Ursprungsland Bangladesch hin. Natürlich kann man für den Preis von 13,99 Euro im Kiosk keine feinen Ätzteile oder ähnliches erwarten, bekommt aber ein in den Proportionen gelungenes Modell, das durch Zweifarbenlackierung, sauber bedruckte Zierleisten und Firmenlogos sowie schöne Räder mit Zentralverschluss und Weißwandreifen durchaus Qualitäten beweist. Auch das mehrfarbige Interieur mit bedrucktem Armaturenbrett weiß zu gefallen, lediglich der etwas große Rückspiegel und die mit der Scheibe gegossene Wischer sind kleine Minuspunkte. Schöne Scheinwerfer mit Chromringen und ohne sichtbare Befestigungspins sowie ein Doppelauspuff vervollständigen ein feines, kleines Modellauto. Für den Sammler von Fiat-Derivaten und italienischen Sonderkarosserien ist der Nardi 750 eine große Freude.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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