Donnerstag, 8. Juni 2023

Formel 2 vom Flugzeugbauer Dornier - BMW F 269 GP Deutschland 1969 von Spark für Raceland, 1:43

Die ersten Jahre im Formelsport verliefen für BMW ab 1966 eher holprig, dank Raceland und Spark kann der Sammler jetzt ein weiteres interessantes Fahrzeug in die Vitrine stellen, den zusammen mit dem Flugzeugbauer Dornier entwickelten F 269 Formel 2. Mit dem Vorbild verunglückte leider Gerhard Mitter beim Training zum Großen Preis von Deutschland 1969 tödlich.

Der Einstieg in die Formel 2 wurde in erster Linie von BMW's damaligem Motorenchef Alexander von Falkenhausen forciert, man erhoffte sich mehr internationale Aufmerksamkeit als mit den bereits erfolgreichen Tourenwagen. In Vertriebsboss Paul G. Hahnemann fand er einen Unterstützer, so wurde ohne das Ja des Vorstands weitergemacht und die Kosten aus dem Werbeetat abgezweigt. Es entstand der legendäre, als M10 bezeichnete Apfelbeck-Motor, der aufgrund seiner aufwendigen Ventilsteuerung und Brennraumform einzigartig war und für den Laien wie ein Achtzylinder aussah. Zuerst landete dieser Vierzylinder in einem gebrauchten Brabham BT 7, einem Formel 1-Renner, den Dan Gurney 1964/1965 fuhr. Damit holte man 1966 (zumindest für kurze Zeit) einige Beschleunigungsrekorde. Ein personeller Wechsel im Vorstand half weiter, der neue Entwicklungschef Bernhard Osswald sagte die Finanzierung des Projekts zu. Nachdem Jack Brabham an einer weiteren Zusammenarbeit nicht interessiert war, da ihm das Triebwerk „high and heavy“ schien, landete man letztlich bei Lola, wo die Chassis für die Saisons 1967 und 1968 entstanden. Die Erfolge blieben zuerst aus, eine Weiterentwicklung des Triebwerks durch den neu hinzugekommenen Ingenieur Paul Rosche zum M12 mit vereinfachter Ventilsteuerung brachte am Ende der Saison 1968 erkennbare Fortschritte. Auffälligster optischer Unterschied zum Vorgänger waren die wesentlich flacher stehenden Ansaugstutzen.

Für die neue Saison fasste man den Entschluss, selbst ein Chassis zu produzieren. Da die eigenen Kapazitäten nicht ausreichten, suchte man einen Partner und fand ihn im Flugzeugbauer Dornier im nahegelegenen Oberpfaffenhofen. Der bekannte Rennwagenkonstrukteur Len Terry war für das Design verantwortlich, Alex von Falkenhausen und Klaus Steinmetz, der Ende 1966 als Rennleiter von Abarth zu BMW kam, koordinierten die Zusammenarbeit von Terry, Dornier, und den BMW-Konstrukteuren. Bereits am 19. April feierte der BMW F 269, wie der neue Monoposto genannt wurde, seine Premiere auf dem Flugplatz von Dornier in Oberpfaffenhofen. Die Tests führte Gerhard Mitter durch, der eigentlich zu dieser Zeit Werkspilot bei Porsche war, aber die Erlaubnis erhielt, für BMW Monoposti zu fahren.

Der erste Renneinsatz des Dornier-Autos beim Eifelrennen am Nürburgring erregte in den Medien viel Aufmerksamkeit, hatte doch Hubert Hahne beim Jim-Clark-Gedächtnisrennen in Hockenheim noch mit dem Lola-BMW Platz 2 errungen. Da bisher nur einer der F 269 fertiggestellt war, bekamen die Teamkollegen Jo Siffert und Hubert Hahne wiederum die Lolas, während Gerhard Mitter den neuen Monoposto fahren durfte. Leider musste er den F 269 bereits nach fünf Runden mit Lenkungsdefekt abstellen, während Siffert als Zweiter und Hahne als Vierter ins Ziel kamen. Da die vor ihm liegenden Stewart, Siffert und Beltoise aufgrund ihres Status in der Formel 2 nicht gewertet wurden, profitierte Hahne als bester B-Fahrer erstmals in seiner Formel 2-Karriere mit voller Punktzahl. Beim nächsten Lauf in Zolder war immer noch nur ein F 269 fertig und Siffert entschied sich dafür, ihn zu fahren, was ihm vertraglich zustand. Das erboste Mitter so, dass er abreiste, bei einer späteren Aussprache in München wurden die Wogen geglättet.

Für den im August wieder am Nürburgring stattfindenden Großen Preis von Deutschland waren drei der Dornier-Autos bereit, die insgesamt 12 gemeldeten Formel 2-Renner dienten dazu, das sonst mit nur 13 Formel 1-Autos zu dünne Starterfeld aufzufüllen. Im Training war Gerhard Mitter mit der aus dem englischen Kleinwagen Hillman Imp stammenden Lenkung unzufrieden und versuchte, zusammen mit einem Freund, sie zu optimieren. Da beide Kfz-Meister waren, ließ das Team sie gewähren, bestimmt hätte Mitter sich auch nichts sagen lassen. Wahrscheinlich führte aber eine dabei falsch montierte Schraube dazu, dass bei der nächsten Trainingsrunde auf einer Bodenwelle kurz vor dem Schwedenkreuz die Lenksäule aus ihrer Befestigung rutschte und der BMW damit nicht mehr lenkbar war. Mehrere Überschläge folgten, der unglückliche Pilot starb wohl an den erlittenen Kopfverletzungen. BMW zog daraufhin sein komplettes Team vom Rennen zurück, Mitters Freund Hans Herrmann verzichtete ebenfalls auf den Start.

Die Saison 1969 brachte Hubert Hahne immerhin Rang 2 in der Formel 2-Europameisterschaft und auch in der Folgesaison gab es einige Erfolge. Überraschenderweise zog der Vorstand aber dann den Stecker, die Formel-Einsätze wurden als uninteressant für die Serienentwicklung bezeichnet. Mit einem sogenannten Untergrund-Team um Dieter Quester, Paul Rosche und Alex von Falkenhausen ging es 1971 weiter, aber das ist eine andere Geschichte, aus der letztlich einer der erfolgreichsten Rennmotoren und sogar der Sieg in der Formel-Eins-WM 1983 entstand...

Gerhard Mitter gehörte in den 60er Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Rennfahrern. Als aus dem Sudetenland Vertriebener und gelernter Automechaniker baute er sich in Böblingen eine neue Existenz auf. Sein technisches Wissen ermöglichte ihm, selbst Motoren auf Höchstleistung zu tunen, vor allem mit den Zweitaktern von DKW feierte er Erfolge. Als Porsche-Werksfahrer wurde er von 1966 bis 1968 dreimal hintereinander Europa-Bergmeister. Sein größter internationaler Erfolg war sicherlich der Sieg bei der Targa Florio 1969 zusammen mit Udo Schütz. Seine große Liebe galt allerdings dem Formelsport, bei dem er letztlich im 34. Lebensjahr tödlich verunglückte.

Wer sich intensiver mit dem Thema befassen will, sollte in die folgenden Bücher schauen, die wahrscheinlich nur noch antiquarisch zu finden sind:
BMW Formel-Rennsport 1966 – 2000 von Stefan Knittel
Klaus Steinmetz – Ein Leben für den Motorsport
Rennsportlegende Gerhard Mitter von Siegfried Strasser

Das Modellauto, das Spark im Auftrag von Raceland produziert hat, sieht schon auf den ersten Blick fein aus. Das schmale Monocoque, die etwas improvisiert wirkenden Flügelelemente, der Vierzylinder mit den typischen acht Ansaugstutzen sind perfekt getroffen wie auch die sichtbaren Technikdetails am Motor und am Heck. Lediglich die Auspuffanlage könnte man sich etwas filigraner wünschen. Die Radaufhängungen sind nicht durch Ätzteile dargestellt und deshalb dreidimensional, aber dennoch fein genug. Die weiße Lackierung und die Farbgebung der Details passen ebenso wie die natürlich minimale Beklebung. Die Räder sind mit Profilreifen bestückt, die Fahrerfigur mit dem roten Streifen auf dem Integralhelm hat das Lenkrad fest im Griff, schön auch die Rückspiegel mit ihren feinen Halterungen. Das Modell füllt eine bisher große Lücke in der Motorsportgeschichte von BMW. Dementsprechend scheint die Nachfrage zu sein, Friedrich Lämmermann ist mit dem Absatz sehr zufrieden, was für den interessierten Sammler bedeutet, schnell zuzuschlagen, bevor die 300 Stück verkauft sind!

BMW F 269 F2 BMW M12 F1 GP Deutschland Nürburgring 1969, Raceland Gold Edition made by Spark, Bestellnummer RS1760, Auslieferung Juni 2023, limitiert auf 300 nummerierte Exemplare.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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