Donnerstag, 13. Oktober 2022

Schönes Modell, aber falsch lackiert - CD Panhard Le Mans 1964 von Spark, 1:43

Mit dem Spark-Modell des CD Panhard von Le Mans 1964 geht ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung, warum ich trotzdem enttäuscht bin, zeigt die Inspektion der Miniatur.

Charles Deutsch (1911 - 1980), aus dessen Initialen sich der Markenname CD ableitet, konnte auf eine lange Karriere als Aerodynamiker, Konstrukteur und gelegentlicher Rennfahrer zurückschauen. Nach dem Ingenieurstudium gründete er bereits 1938 zusammen mit René Bonnet die Firma DB (Deutsch-Bonnet), dort entstanden Rennsportfahrzeuge und wenige Straßenautos, anfangs auf Basis des Citroen Traction Avant, dann mit Technik von Panhard. Die Bandbreite reichte von Indexsiegen bei den 24 Stunden von Le Mans bis hin zum Experiment eines Formel 1-Renners mit einem aufgeladenen Motor von 750 ccm, das 1955 scheiterte. Ende 1961 trennten sich die Kompagnons und Charles Deutsch gründete ein Unternehmen namens SECA, das er später in SERA (Societé d'Études et de Recherches Automobiles) umbenannte. Einer seiner Schüler war Robert Choulet, der sich einen großen Namen als Rennauto-Aerodynamiker machen sollte. Zu seinen bekanntesten Schöpfungen zählten der Matra 640, die Porsche 917 Langheck und auch die „Sau“.

Charles Deutsch präsentierte dann ein Sportwagenprojekt, eben den CD-Panhard. Das war ein kleines, sehr aerodynamisches Coupé mit der Technik des PL 17, also einem Zweizylinder von 702 ccm, der rund 60 PS abgab. Gleich beim ersten Einsatz 1962 holte man den Index de Performance und den Klassensieg, der CD-Panhard erreichte auf der Geraden 215 km/h! Dieser und weitere sportliche Erfolge führten dazu, dass immerhin ca. 150 dieser Autos in Straßenversion verkauft werden konnten. Im folgenden Jahr war Panhard nicht dabei und Deutsch unternahm einen glücklosen Versuch mit dem CD Mantzel-DKW, einen Bericht über dieses Spark-Modell gibt es in unserem Archiv.

Für 1964 baute man zwei aerodynamisch grandiose Coupés, deren Cw-Wert bei 0,12 liegen sollte. Sowohl die bei SERA entwickelte Gesamtform als auch der Unterboden waren optimal gestaltet, es gab erste Ansätze von Ground Effect, allerdings musste man mit zwei Heckflossen die Richtungsstabilität verbessern. Ein weiteres Problem war der neu festgesetzte Mindesthubraum von 1.000 ccm, der mit dem Panhard-Twin nicht machbar war. Die Lösung war ein Kompressor, mit dessen Hilfe das Triebwerk sanft aufgeladen wurde und man über den Koeffizienten in die Klasse bis 1.150 ccm eingestuft wurde. Mit Doppelzündung und zwei Vergasern kam man auf 70 PS, genug für über 220 km/h Spitze. Sowohl die unkonventionelle Form, als auch Lackierung und Finish der beiden CD 3 erregten Aufsehen, leider blieben die Leistungen im Rennen weit unter den Erwartungen. Mit der Startnummer 44 strandeten Bertaut/Guilhaudin bereits kurz nach Mitternacht mit einem kapitalen Motorschaden, das Schwesterauto mit Lelong/Verrier hielt rund vier Stunden länger, bis die Kupplung ihren Geist aufgab. Damit fand die Rennsportgeschichte von Panhard ein unrühmliches Ende. Charles Deutsch versuchte es 1965 mit dem CD-Grac, der mit einem Alfa Romeo-Triebwerk bestückt war, aber es nicht einmal zum offiziellen Training schaffte, die nächsten zwei Jahre gab es noch den CD-Peugeot, aber auch damit blieben die Erfolge aus. Ab 1969 war Charles Deutsch Renndirektor der 24 h von Le Mans, ein Posten, den er bis zu seinem Tod 1980 bekleidete.

Als es bei Spark noch gedruckte Kataloge gab, lange ist es her, geisterten bereits Vorbildfotos der CD-Panhard herum, wieder einmal sieht man, dass Geduld gefordert wird. Voller Vorfreude ging ich zu meinem Lieblingshändler, um erstaunt festzustellen, dass die Modelle in einem matten Blau lackiert sind. Der zuhause vorgenommene Vergleich mit Originalfotos zeigt, dass die Vorbilder glänzend lackiert waren. Die sichtbaren Reflexionen von Umgebung oder Personen sind eindeutig. Leider wird durch diesen Fauxpas die Optik des Modells entscheidend gestört. Da hilft es nichts, wenn ansonsten alles in Ordnung ist. Form und Proportionen stimmen, die Details ebenfalls. Die Scheinwerferverkleidungen und die bündigen Scheiben sind bei meinem Muster sehr sauber verarbeitet und die Beklebung ist ohne Makel, wenn man von der auf dem matten Lack besonders auffälligen Trägerfolie zwischen Startnummer, Logo und Kennzeichen absieht. Schön die Verschlüsse und Lederriemen zur Sicherung der Fronthaube, weniger schön der Superkleber-Nebel rund um die Wagenheberaufnahmen an der Unterseite.

Was soll man dazu schreiben? Spark hat eigentlich alles richtig gemacht, bei den gezeigten Vorserienmodellen stimmt die Lackierung, und dann leistet man sich einen solch kapitalen Bock! Wenn man einerseits will, dass möglichst alles über Vorbestellungen seitens der Sammler abläuft, kann man so etwas nicht bringen. Der Händler kann nichts dafür, aber eigentlich müsste man so ein Modell zurückgeben, weil es nicht dem entspricht, was man aufgrund der Vorabfotos bestellt hat. Spark befindet sich meiner Meinung nach auf einem gefährlichen Weg, mit den Preisen steigen natürlich auch die Erwartungen.

CD Panhard LM 64 SEC Automobiles Le Mans 1964, Spark, Bestellnummer S5072, Auslieferung Oktober 2022, keine Limitierung, Made in Madagascar.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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