Samstag, 3. September 2022

Retro-Flunder mit großem Namen - Lamborghini Countach LPI 800-4 von Maisto, 1:18

Wir haben es ja schon öfter festgestellt: Die Retro-Welle macht auch vor den Herstellern im Luxus-Sektor nicht halt. Ferrari lässt sich von seinen Klassikern zur „Icona“-Reihe inspirieren, McLaren macht seinen „Elva“-Extremroadster und Aston Martin lässt ja ohnehin keine Gelegenheit aus, um mit „Continuations“ die glorreiche Vergangenheit auferstehen zu lassen. Das ist alles mal mehr, mal weniger gelungen. Eine Marke hat sich da bis 2021 merklich zurückgehalten. Ja, es gab mal eine Miura-Retrostudie, aber ansonsten wirkte Lamborghini bislang weniger rückwärts- als vorwärtsgewand. Doch dann präsentierte man auf dem Concours d’Elegance in Pebble Beach den Lamborghini Countach LPI 800-4, eine Hommage an den Marcello Gandinis kantigen Posterklassiker der 1970er und 1980er Jahre. Der Neo-Countach basiert auf dem Mild-Hybridantrieb des Sián und soll es mit eines Systemleistung von 814 PS auf eine Spitzengeschwindigkeit von 355 km/h bringen.

Das ist sicher auch ganz nett, aber entscheidend für die Kunden, die sich einen der geplanten 112 Countach für geschmeidige 2,4 Mio. EUR leisten können, dürfte doch die Optik sein. Das Lamborghini-Designteam hat sich alle Mühe gegeben, den Look des frühen Countach in die heutige Zeit zu übertragen – und dies mit den technischen Anforderungen des Antriebs zu verbinden. Das Ergebnis ist ein durchaus stimmiges Sammelsurium an Designzitaten, das recht hübsch dasteht, aber leider den „Wow“-Faktor des Originales etwas vermissen lässt. Neben dem Neo-Countach sieht das Concept-Car des Originales immer noch aus, wie aus einer anderen Welt. Kein Wunder, dass Meister Gandini von der Neukreation nicht sonderlich angetan war. Unter all den vielen Retro-Designs ist der LPI 800-4 aber sicherlich eines der besseren. Mir persönlich würde er viel besser gefallen, wenn man ihm nicht diesen großen Namen aufgebürdet hätte, denn ein Countach, nein, das ist er einfach nicht.

Ein neuer Lamborghini? Klar, da muss es Modelle geben. Für den großen Geldbeutel liefert MR Collection in 1:18 eine hochwertige Resineminiatur, für kleines Geld gibt es den Neo-Countach in der gleichen Baugröße nun bei Maisto. Offiziell kommt er in der hier gezeigten Farbversion in Weiß (wie das Vorbild bei seiner Präsentation), in limitierter Auflage gibt es auch noch rote und gelbe Varianten, die sich der italienische Modellautogroßhändler Carmodel bei Maisto hat fertigen lassen. Das Modell für unter 50 EUR ist aus Diecast gefertigt und bietet öffnende Hauben und Türen – sowie exzellent getroffene Formen. Die schlichten Linien bestechen besonders durch sehr scharf dargestellte Kanten, die nicht unter dickem Lack ertrinken. Die Türen haben leider keine Seitenscheiben, das konnte man beim Sián der anderen Konzernmarke Bburago besser. Der Innenraum besticht mit sauberen Farbtrennungen und Drucken am Armaturenbrett, das macht Freude.

Unter der Motorhaube hat man das Triebwerk mit vielen Farbakzenten und ausreichender Tiefe nachgebildet, auch hier leistet sich der Maisto-Countach für seinen kleinen Preis keine Schwächen. Der Kofferraum ist unspektakulär und die großen Scharniere stören das Sammlerauge – aber nie vergessen: Diese Modelle sollen auch als Spielzeug funktionieren, da sind feinste Scharniere ungeeignet. Die Leuchten vorne sind nur auflackiert, das passt aber schon. Hinten gibt es eingesetzte Klarsichtteile und natürlich keine geätzten Gitter. Wie auch, für unter 50 EUR? Dafür finden wir überall saubere Drucke und die Felgen sind toll umgesetzt. Die Verarbeitung meines Modelles gab keinerlei Anlass zur Klage, ein wirklich gelungenes Modell des Retro-Countach, das auch neben teureren Modellen eine gute Figur macht.

Fotos und Text: Georg Hämel

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