Mittwoch, 24. März 2021

Colin Chapman zum Ersten - Lotus Mk 9 Le Mans 1955 von Spark, 1:43

Bereits im Alter von 20 Jahren konstruierte Colin Chapman sein erstes Rennauto auf Basis eines alten Austin Seven und nahm damit erfolgreich an den damals beliebten Trials teil. Das war der erste Lotus, benannt wahrscheinlich nach dem Kosenamen seiner Partnerin Hazel, die er Lotusblüte nannte. Die Firma Lotus Engineering entstand 1952, blieb aber weiterhin ein Feierabendvergnügen für den genialen Konstrukteur, der sein Geld bei British Aluminium verdiente. Erst 1955 entschied Chapman, sich in Vollzeit für sein Unternehmen zu engagieren, zur gleichen Zeit kam Mike Costin, der spätere Mitgründer von Cosworth, dazu. Mit dem Mk 8 hatte man bereits den ersten aerodynamisch geformten Lotus-Rennsportwagen geschaffen, bei der Formgebung war Mikes Bruder Frank behilflich, der bei der Flugzeugfirma De Havilland als Aerodynamiker tätig war. Schon der Mk 8 war eine typische Chapman-Kreation: Einfach, effektiv und superleicht. Die Vorderachse kam von Ford, die De Dion-Hinterachse sorgte für konstanten Sturz und verringerte die ungefederten Massen, das Ganze wurde von einem simplen, aber extrem steifen Rahmen getragen. Der Mk 9 war ein verfeinertes und noch leichteres Auto, das ideal mit dem kleinen Coventry Climax-Triebwerk harmonieren sollte, einem 1100 ccm-Vierzylinder, der ursprünglich für Feuerwehrpumpen gedacht war, sich aber als ausbaufähiges Rennwagentriebwerk mit großer Zukunft erwies. Es gab eine einfachere Club-Version mit hinterer Starrachse und wahlweise Climax- oder Ford-Motoren sowie den "Le Mans" mit der de-Dion-Achse und dem Climax-FWA, der bereits von Anfang an 75 PS leistete. Mit einem Fahrzeuggewicht von knapp über 450 kg, der aerodynamischen Form und hervorragender Straßenlage war der kleine Lotus ein tolles Sportgerät, das später sogar mit Scheibenbremsen ausgestattet wurde. Immerhin produzierte man ca. 23 dieser Flitzer, bevor sich mit dem Mk 11 noch größerer Erfolg einstellen sollte.

Für das leider in der Katastrophe endende 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1955 entschloss Chapman sich für seinen ersten Werkseinsatz mit Lotus. den er auch als Fahrer bestreiten wollte, zusammen mit seinem Landsmann Ron Flockhart, der sich im Folgejahr mit einem Jaguar D-Type sogar den Gesamtsieg in der Sarthe holte. Der Einsatz war fast nur chaotisch, bei der Fahrzeugabnahme gab es Probleme mit der Beleuchtung, beim Training geriet durch ein Leck Öl auf die Kupplung, dann wurde der Lotus von einem Porsche gerammt. Die angemietete Werkstatt nahe Le Mans war nicht für solche Arbeiten geeignet, so fand Chapman Unterschlupf in den größeren Räumlichkeiten von Briggs Cunningham und in einer Nachtschicht wurde der Lotus wieder einigermaßen hergerichtet. Das Potential des kleinen Renners konnte Chapman zumindest nach dem Start zeigen, er ging in der 1100 ccm-Klasse in Führung vor einem Cooper und einem Porsche. Bereits nach einer guten Stunde rutschte wieder die Kupplung, Mike Costin behalf sich damit, den Inhalt eines Feuerlöschers in die Kupplungsglocke zu entleeren, so ging es weiter. Dieser Trick ist mir bisher nicht bekannt gewesen, wir haben uns früher mit Coca Cola gerettet . . .

Sicherheitshalber nahm man eine zweite Füllung an Bord, falls der Fehler wieder auftreten sollte. Der Plan war, unauffällig auf der Strecke nachzufüllen, um nicht deshalb disqualifiziert zu werden. Dann drehte sich der Chef persönlich in Arnage und ondulierte einen Kotflügel, bei seinem nächsten Stint musste Flockhart die Kupplung wieder retten, was den Kommissaren nicht auffiel, und dann landete Chapman in der berühmten Sandbank in Arnage. Er konnte den Lotus befreien, machte aber den Fehler, ohne Genehmigung durch einen Streckenposten in Gegenrichtung auf die Piste zurückzukommen. Dieses Manöver zog nach 99 absolvierten Runden die Disqualifikation nach sich, aber ob der waidwunde Mk 9 die 24 Stunden durchgestanden hätte, ist fraglich. Dennoch entstand aus dieser Situation eine langjährige Hassliebe zwischen Chapman und den französischen Funktionären, die in der Nichtzulassung des Lotus 23 im Jahr 1962 gipfelte. Den Klassensieg bis 1100 ccm holte übrigens ein Porsche 550 Spyder mit dem Pariser Porsche-Repräsentanten Auguste Veuillet und Zora Arkus-Duntov, dem "Vater der Corvette".

Nach langen Jahren des Wartens holt Spark endlich auch diesen Rückstand aus den letzten Katalogen auf. Das Modell ist natürlich, wie auch das Vorbild, relativ einfach gehalten. Wenn man die Originalfotos anschaut, ist der kleine Lotus fast zu schön und zu perfekt verarbeitet, so glatt und hochglänzend war das Auto sicherlich nicht, vor allem nach den nächtlichen Reparaturen zwischen Training und Rennen. Sagen wir einfach, dass Spark den Zustand bei der Abnahme zeigt. Die notwendigen Details sind fein nachgebildet, von den Scheinwerferabdeckungen über die Haubenverschlüsse bis zum Cockpit mit vorbildlich roten Sitzen und Lenkradkranz. Die Speichenräder sind ok, bei der Reifenbreite hat man nicht zu sehr übertrieben.

Für Liebhaber der kleinen Le Mans-Teilnehmer ist der Lotus Mk 9 sicherlich ein Muss, genauso wie für Fans des genialen, aber auch umstrittenen Colin Chapman. Und wer meint, dass man relativ wenig für den üblichen Spark-Preis bekommt, hat irgendwie schon recht, aber das ist wohl einer Mischkalkulation geschuldet, die auf einen Einheitspreis für die Standardmodelle ausgelegt ist. Ich bin jedenfalls sehr froh über solche Modelle und hoffe darauf, dass man sich bei Spark die alten Kataloge wieder einmal anschaut, da waren noch einige interessante Autos avisiert!

Unser Fotomuster kommt von Supercars in München, vielen Dank für die Unterstützung.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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