Mittwoch, 7. Oktober 2020

Aus in der ersten Runde - Porsche 908/3 Targa Florio 1970 von Spark, 1:43

Zum Angriff auf den Sportwagen-Weltmeistertitel verließ Porsche sich nicht alleine auf den großen 917, sondern zeigte bereits bei der Weihnachtsfeier 1969 das zweite Eisen im Feuer, den 908/3. Die Verbindung aus einem extrem kompakten, leichten Gitterrohrrahmen, der dem Bergrennwagen 909 ähnelte, mit dem bekannten 3-Liter-Achtzylinder-Triebwerk ergab ein extrem kompaktes und mit rund 700 kg sehr leichtes Fahrzeug, das sich vor allem durch seine weit nach vorne versetzte Fahrerposition auszeichnete. Sicherheit war noch nicht das große Thema. Zum Vortraining der Targa Florio, für die der kleine Spyder in erster Linie gebaut wurde, kam man mit zwei der 908/3 sowie einem 917, die alle rot lackiert waren, um eventuellen Attacken nicht gerade Porsche-freundlicher Sizilianer aus dem Weg zu gehen. Ergebnis des Vortrainings war das klare Erkennen der Vorteile des leichteren Autos und als Kollateralschaden ein total zerstörter 917, dessen Fahrer ohne schwere Verletzungen davonkam. Zum Rennen trat man dann mit vier 908/3 an, die die berühmten, schon beim von Porsche konstruierten Austro-Daimler Sascha von 1922 verwendeten Kartenspielsymbole und auffällige Lackierungen trugen. Drei von ihnen waren Gulf-hellblau mit unterschiedlichen orangen Markierungen, während das Porsche-Salzburg-Auto eine modische Psychedelic-Lackierung in rot/weiß trug. Im Rennen zeigte sich die Überlegenheit der Porsche-Renner, Jo Siffert und Brian Redman erzielten den Gesamtsieg vor ihren Teamkollegen Pedro Rodriguez und Leo Kinnunen, das dritte Gulf-Auto unter Dick Attwood und dem Rallyefahrer Björn Waldegaard belegte Platz 5, den Salzburg-Porsche setzte der sonst so zuverlässige Vic Elford bereits in der ersten Runde so heftig gegen einen Randstein, dass eine Weiterfahrt unmöglich gewesen wäre. Der Lokalmatador Nino Vaccarella wuchtete den großen, für die Targa eher nicht geeigneten Ferrari 512 S auf den dritten Platz.

Die Werks-908/3 bestritten insgesamt noch drei Rennen, die 1000 km am Nürburgring konnte man 1970 und 1971 für sich entscheiden, während die Targa 1971 im Desaster endete. Beide Gulf-Autos flogen bereits in der ersten Runde von der Piste, der Martini-908/3 erlitt einen Aufhängungsbruch und wurde abgeschlagener 41.

Die Geschichte der 908 in Privathand sollte allerdings noch lange weitergehen, mit neuen Formen, Turbos und vielen anderen Modifikationen fuhren die Achtzylinder noch bis 1981 in verschiedenen Serien mit.

Bereits vor drei Jahren erschien bei Spark das Siegerauto von der Targa Florio 1970, unseren Bericht findet man hier. Dieses längst ausverkaufte Modell wird wohl demnächst nachproduziert, die anderen drei sind aktuell lieferbar. Mir hat es aus optischen Gründen der 908 des Teams Porsche Salzburg angetan, die roten, "psychedelisch" angeordneten Streifen an der Front sind sehr zeitgeistig und heben diesen Porsche von den drei Gulf-blauen ab. Wer natürlich Platz und Geld zur Verfügung hat, kann sich das ganze Team zusammenstellen, es gibt dazu ja auch Originalfotos mit einem roten Ford Transit im Hintergrund.

Die damalige kritische Betrachtung des kleinen Porsche ist natürlich auch für dieses Modell gültig, keiner der Fehler wurde behoben. Weder die Gesamtform, noch die Höhe von Rückspiegel, Überrollbügel und Luftfiltern oder die Reifenbreite/Spurweite hinten. Das wäre andererseits auch unschön, wenn man mehrere der 908/3 nebeneinander stellen will. Bleibt die feine Detaillierung und die hohe Fertigungsqualität zu erwähnen, vor allem der Bereich Cockpit/Motorraum ist fein ausgeführt. Über den Wagenheber am Heck habe ich auch schon geschrieben, einem Ätzteil fehlt leider immer die dritte Dimension.

Letztlich muss der Sammler entscheiden, ob ihm das Modell gefällt, ich persönlich habe mich damit abgefunden. Demnächst wird auch noch der ganz weiße Sieger der 1.000 km Nürburgring 1970 produziert. Ob Spark auch noch die 71er Varianten mit den Stabilisierungsflossen am Heck ins Programm nimmt, ist bisher nicht bekannt, aber denkbar.

Unser Fotomuster kommt von Supercars in München, vielen Dank für die Unterstützung.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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