Mittwoch, 1. Januar 2020

Raubkatze in Amerika - Jaguar E-Type V12 Roadster Group 44 von Matrix Scale Models, 1:43

Whrend die frhen Jaguar E-Types durchaus sportliche Meriten erwerben konnten, vor allem in den weiterentwickelten Lightweight- und Low-Drag-Versionen, war die letzte Serie III mit dem Leichtmetall-V12 eher ein Cruiser als ein Rennauto. Das Zwlfzylinder-Triebwerk wurde entwickelt, um einen modernen Motor fr die Zukunft zu haben, der alte Sechszylinder war vor allem in der fr die USA abgasentgifteten Version nicht mehr leistungsfhig genug. Mit 5343 ccm Hubraum und 276 PS waren wieder hervorragende Fahrleistungen mglich, die allerdings mit einem extrem hohem Verbrauch einhergingen, zeitgenssische Tests berichteten von mindestens 20, aber auch mal ber 30 Liter auf 100 km, je nach Fahrstil. Dazu kam, dass der letzte E-Type eine zu indirekte Servolenkung und eine relativ weiche Fahrwerksabstimmung bekam. In die USA wurde zuerst nur der 2+2 geliefert, aber auch der spter ausgelieferte Roadster hatte nun den gleichen, lngeren Radstand von 2667 mm, das kurze Coup verschwand ganz. Die Energiekrise der frhen 70er Jahre tat ihr briges, vor allem in den USA, wo der Groteil der Produktion verkauft werden sollte, standen die Autos auf Halde. So entwickelte man bei British Leyland, zu denen Jaguar inzwischen gehrte, die Idee, neben erhhtem Werbeaufwand auch im Rennsport mitzumischen.

Da kein echter Werkseinsatz mglich war, man aber in der Produktionswagenmeisterschaft des SCCA (Sports Car Club of America) teilnehmen wollte, plante man, sowohl an der West- als auch an der Ostkste einen Tuner bzw. Rennstall zu untersttzen. Die Wahl fiel einerseits auf Joe Huffaker, bekannt durch seine Genie-Rennsportwagen, der in Kalifornien aktiv war, andererseits auf Bob Tullius, der bereits Anfang der 60er Jahre mit einem Triumph TR 3 startete und viermal SCCA-Meister wurde. 1965 grndete er in der Nhe von Washington DC seine Firma Group 44 zusammen mit seinem Cheftechniker Brian Fuerstenau, um Autos wie MGB, Triumph Spitfire oder TR4 zu tunen und auch in Rennen einzusetzen. Dadurch entstand die gute Beziehung zu den Briten.

Die Meisterschaft wurde, hnlich wie im Basketball, in geteilten Conferences ausgetragen, das Finale fr alle Qualifizierten fand in Road Atlanta statt. Whrend Huffaker einen E-Type aus einem Versicherungsschaden erstand, basierte der Group-44-Jaguar auf einem Neuwagen, der erst einmal komplett demontiert wurde, alles, was man nicht bentigte, lie man bei der erneuten Montage weg. Dafr baute man eine Art berrollkfig ein, der gleichzeitig das zu weiche Chassis stabilisierte. Die vorderen innenbelfteten Scheibenbremsen rutschten nach hinten, vorne wurden grere montiert, ebenso Koni-Dmpfer und ein Querstabilisator. Die Hinterradaufhngung wurde durch zustzliche Streben verstrkt, die Kotflgel verbreitert, um wesentlich breitere Reifen unterzubringen. Dem Triebwerk verhalfen konventionelle Tuningmassnahmen sowie eine von Brian Fuerstenau konstruierte Auspuffanlage zu ca. 425 PS. Mit einer flachen Rennscheibe sah der immer perfekt prparierte E-Type wirklich beeindruckend aus. Gleich im ersten Einsatzjahr 1974 schafften es beide Jaguars ins Finale, whrend das Huffaker-Auto unter Lee Mueller einem frhen Reifenschaden zum Opfer fiel, war Tullius im Group 44-Jaguar bis zur letzten Runde in Fhrung, musste aber dann aufgrund abgenutzter Reifen eine Corvette ziehen lassen. 1975 ergab sich die kuriose Situation, dass die Produktion des E-Type bereits eingestellt war, aber in den USA noch eine Menge Autos unverkauft waren. So ging man auch in diese Saison mit dem "alten" Jaguar, war aber konkurrenzfhiger, da man breitere Rder verwenden durfte. Whrend Huffaker krzer treten musste, konnte Tullius viele Siege feiern, beide E-Types erreichten wieder das Finale. Mueller und das Huffaker-Auto scheiterten dort bereits in der Aufwrmrunde mit Getriebedefekt, dafr holte Bob Tullius unangefochten den Sieg und den Meistertitel. Letzte Einstze 1976 waren der Tatsache geschuldet, dass der Nachfolger XJ-S noch nicht bereit war. Der Original-E-Type existiert brigens noch heute im Werksmuseum und wird des fteren bei Events vorgefhrt.

Matrix Scale Models hat nach dem leider meines Erachtens nach viel zu breiten Group 44-Jaguar XJ-S nun auch den Vorgnger in 1:43 prsentiert. Der E-Type V12 ist ja kein kleines Auto, mit den Verbreiterungen wirkt er noch voluminser. Diesmal hat sich Matrix besser an die Originalmae gehalten, der Radstand passt genau, aber ein wenig zu breit und zu hoch kommt das Auto schon daher, vor allem, wenn man es zu Konkurrenten wie der Corvette in die Vitrine stellt. Die etwas berdimensionierten Rder verstrken diesem Eindruck. Bei der Dekoration hat man sich an den aktuellen Zustand des Jaguar gehalten, der aber dem von 1975 ziemlich hnlich ist. Die kleinen silbernen Ellipsen mit der Nummer 158 stammen von einem Auftritt in Goodwood 2012, 1975 gab es sie so nicht. Die Lackierung msste rein wei sein, nicht so abgetnt wie beim Modell und die Aussenspiegel sind sehr gro geraten. Ansonsten sind Verarbeitung und Detaillierung, vor allem im Cockpit auf sehr hohem Niveau. Schn, dass man die transparent grne Rennscheibe gut nachempfunden hat.

Als Fazit bleibt der Hintergedanke, dass man bei Matrix relativ viel Geld fr ein nicht optimales Modell ausgeben muss, aber natrlich nicht mehr damit rechnen kann, dass z.B. Spark das gleiche Modell besser und preiswerter produzieren wird.

Unser Fotomuster kommt von Supercars in Mnchen, vielen Dank fr die Untersttzung.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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