Freitag, 27. Dezember 2019

Zerplatzter Traum - Serenissima 308 Jet von Avenue 43, 1:43

Der renn- und autobegeisterte venezianische Graf Giovanni Volpi di Misurata gründete 1960 in Modena einen Rennstall, die Scuderia Serenissima, benannt nach dem Beinamen der Republik Venedig. Bekannte Piloten wie Carlo Maria Abate, Joakim Bonnier, Colin Davis, Nino Vaccarella oder Maurice Trintignant, um nur einige zu nennen, gingen auf Maseratis und Ferraris an den Start, aber auch in der Formel Junior war man mit Stanguellinis aktiv. Die Weigerung Enzo Ferraris, einen GTO an die Scuderia zu verkaufen, führte zur ersten Eigenkonstruktion, den auf 250 GT-Basis von Giotto Bizzarrini entwickelten Breadvan, der viele neue Ideen zeigte. Eine kurze Beteiligung am unglücklichen Projekt ATS brachte den Grafen dazu, seine eigene Autofirma zu gründen, die Serenissima Automobili Srl, ebenfalls mit Sitz in Modena.

Deren erstes Produkt war die Serenissima 308 V, ein nach Entwürfen von Franco Scaglione von der Carrozzeria Gran Sport eingekleidetes, von Alberto Massimino konstruiertes Mittelmotorcoupé mit einem 3 Liter-V8, der angeblich auf dem 2,5-Liter Triebwerk des ATS 2500 GT basierte, einer Colotti-5-Gang-Box und einem Rohrrahmen mit unabhängig aufgehängten Rädern. Die Präsentation am 20. Dezember 1964 auf dem Autodrom von Monza erregte einiges Aufsehen, schließlich zeigte die Serenissima aktuellste Technik, damals gab es noch nicht zu viele Straßensportwagen mit Mittelmotor. Die Linie zeigte eine gewisse Aggresivität, aber auch Eleganz war dem Coupé nicht abzusprechen. Allerdings waren die Fahreigenschaften und die Leistung auf der Straße eher enttäuschend, deshalb wurde die Serenissima unter der Leitung von Alf Francis, dem früheren Rennmechaniker von Stirling Moss, modifiziert und bekam statt der Fahrgestellnummer 001 die 003. Aus einer Straßenversion mit Kotflügelecken wurde ganz schnell der 308 Jet Competizione, mit dem man sogar 1966 in Le Mans teilnehmen wollte. Das klappte schon deswegen nicht, weil man den 3-Liter-V8 an Bruce McLarens neues Formel 1-Team auslieh, stattdessen trat man mit einem 3,5-Liter Spider an, der allerdings bereits in der 4. Stunde mit Getriebeschaden ausfiel. Nachdem man das Triebwerk des Jet zurückbekam, konnte man das Coupé noch bei einigen Bergrennen einsetzen, zum Beispiel in Castione Baratti mit der Startnummer 300. Danach ging es noch bis 1970 mit einigen Projekten weiter, bis Graf Volpi die Reißleine zog. Insgesamt dürfte nur eine einstellige Zahl von Autos mit dem Namen Serenissima produziert worden sein, darunter sogar ein Formel 1-Chassis. Der Traum des Grafen Volpi, eine Serie von Straßensportwagen zu produzieren, ging jedenfalls nicht in Erfüllung.

Der Serenissima 308 V Jet Competizione befindet sich heute in perfekt restauriertem Zustand bei einem Schweizer Sammler und wurde bereits 2006 beim Concorso d'Eleganza in Como prämiert, der Le Mans-Spider wurde 2019 für über 4 Millionen Euro versteigert.

Über Modelle solcher Exoten freue ich mich besonders, auch ein Modell des Quasi-Vorgängers ATS 2500 hätte ich gerne, das Kleinserienmodell von Brianza ist nicht nur teuer, sondern auch nicht gut gelungen. Da kann die Serenissima von Avenue 43 schon mehr gefallen. Die Grundform vermag zu gefallen, bei den Details hat man sich am aktuellen Zustand orientiert, was kein Fehler ist, da das Original seit 1966 kaum verändert wurde. Viele fotogeätzte Gitter finden Verwendung, auch die etwas großen Aussenspiegel sind vorbildgerecht. Die sehr klaren Fenstereinsätze und Scheinwerferabdeckungen sind sauber montiert, lediglich an der oberen rechten Ecke der Windschutzscheibe wölbt sich das "Glas" etwas nach innen. Die Speichenräder sind relativ fein, sollten allerdings in Aluminium und nicht verchromt sein. Das Cockpit ist vorbildgerecht trist schwarz. Unter der Heckscheibe findet sich eine ehrer reliefartige Nachbildung des Triebwerks, da hätte ich mir in der Preisklasse wesentlich mehr Liebe zum Detail gewünscht, man dürfte sich ein Beispiel an so manchem Spark-Modell nehmen.

So sehr ich begeistert bin, dass solche italienischen Spezialitäten den Weg in meine Vitrine finden, ist das Fazit zwiespältig, man könnte schon gerade in Details feiner arbeiten, schließlich spielt man auch preislich in der höheren Liga mit.

Unser Fotomuster kommt von Supercars in München, vielen Dank für die Unterstützung.

Fotos und Text: Rudi Seidel

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