Donnerstag, 5. Juni 2008
Zum Vierzigsten: Ferrari 365 GTB/4 Daytona von Hot Wheels Elite, 1:18
Kaum zu glauben aber wahr: Schon vierzig Jahre ist es her, dass Ferrari auf dem Salon in Paris dem Publikum den 365 GTB/4 präsentierte, ein hinreißendes Sportcoupé in klassischem Frontmotorlayout mit einer messerscharfen schlichten Linie, die auch heute noch nicht altbacken wirkt. Für den Entwurf bei Pininfarina war Leonardo Fioravanti verantwortlich, der das Design des 365 GTB/4 nach eigenen Angaben innerhalb einer Woche fertigstellte.

Die Begeisterung für die Neuheit hielt sich damals allerdings etwas in Grenzen. Lamborghini hatte vorher seinen Miura vorgestellt, einen Supersportwagen mit Mittelmotor (und einer sensationellen Bertone-Karosserie) und man fand Ferraris Festhalten an der klassischen Frontmotorbauweise altbacken und unmodern - so schön das Auto auch sein mochte. Dieser Eindruck änderte sich erst, als die Tester der Fachmagazine auf den neuen Ferrari losgelassen wurden und entdeckten, dass dessen Fahrleistungen und besonders sein Fahrverhalten den Miura in den Schatten stellten. Dennoch sollte der 365 GTB/4 der letzte klassische Frontmotor-Sportwagen aus Maranello für eine lange Zeit sein, letztendlich konnte Ferrari der Mittelmotor-Mode nicht dauerhaft entrinnen.

Modelle des 365 GTB/4 sind nicht gerade rar gesät und so ist es ein wenig verwunderlich, dass auch Hot Wheels in seiner Elite-Serie nun ein Modell anbietet. Der "Daytona" - ein Name in Erinnerung an den glorreichen Ferrari-Sieg in Florida im Jahre 1967, den das Auto nie offiziell getragen hat - trifft in 1:18 auf die starke Konkurrenz des bekannten Kyosho-Modelles, das, offen gesagt, dem Elite-Modell in beinahe jeder Disziplin überlegen ist.

Beginnen wir bei der klassischen Linie. Die hat Hot Wheels nicht schlecht getroffen, aber insgesamt fehlt ein bisschen die Schärfe und Präzision, die das Original auszeichnen. Die endlos lange Haube und das relativ massige Heck sind stimmig wiedergegeben, aber die Konturen wirken schwammiger als beim Kyosho-Pendant - sicher der Tatsache geschuldet, dass die Hot Wheels-Miniatur auf dem simpler gestrickten Daytona der hauseigenen "Foundation"-Linie basiert. Die Klappscheinwerfer sind nicht zu öffnen - ein unschöner Fauxpas in dieser Preisklasse - aber das beim Vorbild merkwürdige Bild der Front mit den sichtbaren heruntergeklappten Leuchten wird gut getroffen. Der Frontgrill ist ein gut verarbeitetes Metallteil, wie auch sämtliche Fensterrahmen, die zumindestens an unserem Muster sehr anständig und ohne Kleberspuren angebracht waren. Gute Arbeit!

Öffnen wir die Türen - an hässlichen Scharnieren - und werfen wir einen Blick in den umfangreich verfeinerten Innenraum. Der macht denn auch einen recht ordentlichen Eindruck, nur die Wiedergabe der Instrumente kann nicht befriedigen. Die Teppiche, die zahlreichen Detaildrucke und die schön nachgebildeten zweifarbigen Sitze hingegen gehören zu den gelungenen Details dieses Modelles. Unter der großen Fronthaube hat man sich ebenfalls viel Mühe gegeben. Man vermisst die typischen Gasdruckdämpfer des Haubenmechanismus (liebe Mattel-Entwickler: Die finden wir sogar im kleinen 1:43 Kyosho-Daytona!) und eine Verkabelung, dafür finden wir allerdings sehr gelungene Detailbedruckungen und eine Vielzahl gekonnt verarbeiteter Fotoätzteile. Aber auch hier bleibt der Eindruck, dass in Sachen Details hier noch um Einiges mehr drin gewesen wäre.

Schließen wir die Haube wieder und widmen wir uns zuletzt dem wohl schönsten Detail des Modelles: den wunderbaren Speichenrädern - nicht alle 365 GTB/4 trugen die berühmten Cromodora-Leichtmetallfelgen. Die Räder können auch hier wieder sehr gefallen und sorgen für einen versöhnlichen Abschlusseindruck.

Der neueste "Daytona" ist also leider nicht der beste seiner Art, aber auch kein völliges Desaster. Es bleibt allerdings fraglich, warum man statt des Coupés nicht den Daytona Spider aus dem hauseigenen Formenprogramm für die Elite-Modifikationen herangezogen hat. Der Spider ist schließlich konkurrenzlos und würde eine echte Marktlücke füllen - so bleibt dem Elite-Modell nur der Platz hinter der Kyosho-Miniatur. Schade drum.

Unsere Fotomuster wurden uns freundlicherweise von Menzels Lokschuppen zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlichst für die Unterstützung!

Text und Fotos: Georg Hämel

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