Samstag, 12. Dezember 2009
Alle Jahre wieder - Das neue Auto-Jahr 2009/2010 ist erschienen
Das Standardwerk der Automobilliteratur geht mit Neuerungen in den 57. Jahrgang. Das bekannte französische Verlagshaus ETAI gibt nun das französische Original heraus, während für die deutsche Ausgabe weiterhin der Motorbuch Verlag zuständig ist. Mit dem renommierten Historiker Serge Bellu hat nun der vierte Chefredakteur das Zepter in die Hand genommen, wie ich meine, eine sehr gute Wahl.

Der Aufbau mit den drei Kapiteln Industrie, Motorsport und Kultur ist geblieben, das Layout wurde aufgefrischt, die Bild- und Druckqualität ist hervorragend. Die Aktualität ist bis Anfang November gesichert, der Toyota-Rückzug aus der Formel 1 ist noch berücksichtigt, die Beteiligung von Mercedes an Brawn kam dann aber zu spät. Leseproben in Texten und Tabellen ergaben keine völlige Fehlerfreiheit, aber auch nicht die Häufigkeit von Satzfehlern wie in manchen früheren Ausgaben.

Das Industriekapitel beginnt wie immer mit Analysen der Marktsituation in Europa, USA, Asien und dem Rest der Welt, dann werden alle neuen Autos des Jahres in Bild und kurzem Text präsentiert sowie neue Motorenkonzepte vorgestellt. Die aktuellen Designtrends mit Fotos aller Studien beenden den ersten Teil.

Im Sport nimmt wie immer die Formel 1 die meisten Seiten ein, jedem Team ist eine Doppelseite gewidmet, gefolgt von einer Betrachtung der Saison, garniert mit tollen Aufnahmen. Es folgt eine Dokumentation jedes Rennens mit Startaufstellung, Ergebnissen und Verlauf im Telegrammstil. Etwas irritierend scheint mir, dass die Grafik der Startaufstellung etwaige Strafen nicht berücksichtigt, sondern die Autos in der Reihenfolge ihrer erreichten Zeiten darstellt. Kurz werden dann die anderen Monoposto-Serien von A1 GP bis F3 Euroserie erwähnt, während den Langstreckenrennen wieder mehr Platz zur Verfügung steht. Einer Präsentation der wichtigsten Teams folgen die europäische und die amerikanische Le Mans-Serie, die 24 Stunden von Le Mans, die FIA GT Meisterschaft sowie kurz die japanischen Super GT. Recht ausführlich das Kapitel über die Rallye-WM inklusive der Intercontinental Rally Challenge für S2000-Autos, kurz der Bericht über die Paris-Dakar, die ja in Südamerika stattfand. Die wichtigsten Tourenwagenrennserien fehlen nicht: WM, DTM und australische V8 Supercars. Ein Überblick über das Geschehen in den USA rundet den Bereich ab, ganz interessant die zwei Seiten über Grand-Am-Rennwagen, die bei uns wenig bekannt sind.

Die Kultur kommt etwas kurz: Neben dem sehr sterilen Porsche-Museum, einem Rückblick auf 1959 und den wichtigsten Verkaufsergebnissen alter Autos bleiben noch Berichte über die Villa d'Este und die historische Tour de France, die kaum das Niveau von Zeitschriftenbeiträgen übersteigen. Ein bisschen Kunst und ein Artikel über die Bedeutung von Marken, das war's dann. Gerade von Serge Bellu hätte ich für diesen Teil etwas mehr erwartet.

Für den Autofan ist dieser Band auf jeden Fall sehr spannender Lesestoff, der Sammler dieser Publikation kommt eh nicht daran vorbei, und wenn man dann in ein paar Jahren das Buch wieder zur Hand nimmt, freut man sich über den kompakten und fundierten Abriss eben dieses Auto-Jahres 2009/2010.

Das Auto-Jahr 2009/2010 ist im Motorbuch-Verlag erschienen:
ISBN: 978-3-613-30635-6
Seitenzahl: 304
Abbildungen: 600
Format: 238mm x 315mm
Preis: 69.00 €

Besprechung: Rudi Seidel
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