Samstag, 1. November 2008
Auto Moto Retro in Padua - Paradies (nicht nur) für Italienliebhaber
Jedes Jahr Ende Oktober findet in Padua die größte Messe Italiens für historische Autos und Motorräder statt. Das Angebot umfasst neben Fahrzeugen zum Bewundern und zum Kaufen auch Ersatzteile, Literatur und Modellautos. Insgesamt sind die Hallen sehr großzügig und übersichtlich gestaltet, selbst im Teilebereich wirkt alles äußerst aufgeräumt. Herstellerseitig waren neben Fiat, Abarth, Lancia, Alfa Romeo und Maserati auch Mercedes und Porsche vertreten. zu den auffälligsten Stücken zählten der Abarth Bertone Rekordwagen und ein uns unbekannter Kombi auf Basis der Mercedes-Ponton-Baureihe.
Überhaupt war Abarth dieses Jahr eines der Hauptthemen, deshalb konnte man die verschiedensten kleinen Coupés vom 750 Record Monza bis zum Monomille bewundern. Im Verkaufsbereich fanden wir Raritäten wie zwei Lancia Aurelia mit Sonderkarosserien von Ghia und Vignale, einen von Zagato 1970 für Luigi Chinetti (NART) karossierten Cadillac, einen Cisitalia 202 Spider und natürlich die vielen kleinen Fiat-Derivate von Siata, Moretti, Stanguellini usw. Beeindruckend der restaurierte Lamborghini 400 GT Flying Star, eines der letzten Werke der Carozzeria Touring. Erfreulich, dass doch einige der sonderkarossierten Fiats aus den 60ern aufgehoben wurden, schöne Beispiele sind die beiden Fiat 1500 und der 125 Samantha, alle von Vignale. Überhaupt findet man in Padua schöne, günstige Autos zum Kaufen und Mitnehmen. Uns hätte es ein Lancia Appia 2. Serie Berlina angetan, aber auch Fiat 850 Coupé oder Alfa Romeo Giulietta Sprint sahen auf den ersten und zweiten Blick gut aus. Clubstände gibt es auch, vom Fiat 130 Bestattungswagen über einen Fiat 1500 Rennsportwagen mit Farina-Karosserie bis zum herrlich originalen Ferrari 340 reicht die Bandbreite. Zum Kuriosesten zählte ein Fiat 1100 Strandwagen mit drei Sitzreihen.

Der Ersatzteilmarkt ist für italienische Marken gut sortiert, allerdings liegt das Preisniveau eher höher als bei uns. Empfehlung: was man zuhause bekommt, kaufen und nur nach speziellen Teilen suchen, die Chancen sind in Padua größer. Für Literatur gilt ähnliches. Man bekommt fast alles, aber die Preise sind hoch bis astronomisch.

Die Modellautos wurden dieses Jahr leider in eine ziemlich finstere Halle verlegt. Trotzdem bietet die Messe auch hier außerordentliches. Kleinserienhersteller wie ABC Brianza, Carpin, MG Models und Spezialgeschäfte wie Virus aus Frankreich zeigen tolle Stücke, für den Sammler von alten Diecasts oder Blech finden sich ebenfalls Raritäten und das aktuelle Angebot von Minichamps bis Autoart fehlt nicht. Auffällig das Überangebot von französischen und italienischen Kioskmodellen, die teilweise jetzt für 5 bis 10 Euro verramscht werden. Hervorheben möchte ich neben den wunderschönen Gila-LKW aus den 50ern (siehe Foto des Autotransporters) und einem Diorama in 1/12 von MG mit den drei siegreichen Ferraris von Daytona 1967 noch die von Carpin derzeit entstehende Nachbildung des Abarth-Werkes in 1/43 (zu sehen unter www.carraramodels.com).Sehr speziell die Modelle von Lilliput: der Schöpfer dieser echten Handarbeitsmodelle fertigt fast ausschließlich Mille Miglia-Teilnehmer, wobei OSCA und Cisitalia die bekanntesten Marken sind. Eine Ausstellung von 50 verschiedenen Rennautos, die kaum jemand kennt, hat schon etwas exotisches.

Wenn man dann noch das meist milde Wetter und die italienische Küche dazurechnet, ist Padua, besonders von Süddeutschland aus gesehen, eine Reise wert.

Text und Fotos: Rudi Seidel
Mercedes 180 Kombi
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