Freitag, 24. November 2023

Aufwendiges Fotoalbum zum 75. Geburtstag - „Die Geschichte des Porsche 356 Nr. 1 Roadster“ bei Motorbuch

Man könnte meinen, dass das Thema Porsche inzwischen erschöpfend abgehandelt wurde, aber erstaunlicherweise finden sich doch noch neue Aspekte. In Zusammenarbeit mit dem Motorbuch Verlag erschien soeben in der Edition Porsche Museum ein Titel, der sich ausschließlich mit dem 356 Nr. 1 befasst, dem ersten Porsche überhaupt. Für die knappen Texte ist Peter Weidenhammer verantwortlich, der Autor des tollen 901-Buches, das wir gerade erst präsentiert haben.

Für den ersten 356 ist der Ansatz anders, nämlich bildbetonter. Das zeigt schon die großzügige graphische Gestaltung, die mit viel Weißraum und teils formatfüllend wiedergegebenen Fotos arbeitet. Klar hätte man den Inhalt auch etwas platzsparender unterbringen können, aber dieser verschwenderische Umgang hat schon seine Reize!

Natürlich beginnt alles mit Ferry Porsches Traum vom eigenen Sportwagen, die ersten Konstruktionszeichnungen weisen den Weg, bis tatsächlich im Mai 1948 ein in gelb grundierter Prototyp auf den Rädern steht. Einen Monat später wird die allgemeine Betriebserlaubnis ausgestellt, auch dieses Dokument findet man als Faksimile im Buch. Inzwischen Grau lackiert hat der 356 seinen ersten offiziellen Auftritt beim Hofgartenrennen in Innsbruck. Zeitungen und Illustrierte überschlagen sich mit Berichten über den neuen Sportwagen, einige der Artikel werden abgedruckt. Sehr schön die Bilder von dem berühmten Modell in 1:14, das von Oberingenieur Karl Rabe als Geburtstagsgeschenk zum 13. von Butzi Porsche angefertigt wurde. Das Foto mit dem alten Ferdinand und seinen Enkeln, eben Butzi, aber auch Ferdinand Piech, wie sie das Modell bewundern, dürfte jeder Porsche-Fan im Kopf haben. Es folgen Bilder des Originals aus allen Perspektiven von verschiedenen Anlässen, dann kann man den Weg des 356 in die Schweiz verfolgen, wo er schließlich einen Käufer fand und in den Folgejahren einige Besitzer und manche Änderungen über sich ergehen lassen musste. Toll, dass man aus dieser Zeit viele Fotos veröffentlichen kann.

Im Jahr 1958 wurde Richard von Frankenberg, damals Chefredakteur des Porsche-Hausmagazins „Christophorus“, auf den 356 Nr. 1 aufmerksam. Es gelang ihm, das Auto im Tausch für einen gebrauchten Speedster zu bekommen, seitdem gehört er zum Museumsbestand. Das Buch verfolgt alle weiteren Stationen, die der Porsche hinter sich gebracht hat, ob Messen, Ausfahrten, Jubiläen, aber auch diverse Unfälle und Restaurierungen, die viele der früher erfolgten Umbauten rückgängig machten. Ganz zurück zum Ursprung ging es allerdings nie, zum Beispiel blieben die zweiteilige Heckklappe oder die Einzelsitze erhalten. Auch technisch tat sich einiges, der relativ schwache Motor und die Bremsen aus der Anfangszeit wurden längst verbessert. Es ist wirklich beeindruckend, welche Vielzahl an Fotos diese lange Zeit dokumentieren. Nett auch die Entwicklung des Werksmuseums, von einer nicht der Öffentlichkeit zugänglichen Halle mit ein paar Ausstellungsstücken über das immer noch kleine Museum im Werk 2, das ich als Fahrzeugtechnikstudent Anfang der 80er Jahre besuchen durfte bis hin zum spektakulären Neubau, der 2009 eingeweiht wurde. Die Nummer 1 war natürlich immer an prominenter Stelle platziert.

Eine interessante Geschichte betrifft noch den sogenannten „Showcar“, einen allerdings nicht fahrfähigen Nachbau des ersten Porsche in seiner Ursprungsausführung in der damaligen Originalfarbe, mit Sitzbank und allen weiteren vorbildgerechten Details. Eigentlich verwundert mich, dass Porsche hier halbe Sachen machte, aber vielleicht sollte der Ur-Porsche einzigartig bleiben. Natürlich werden beide 356 Nr. 1 heute gerne für Werbung, Ausstellungen oder Präsentationen neuer Modelle hergenommen, dazu findet man im Buch einige Beispiele.

Wie schon gesagt, bekommt der Käufer ein opulentes, großformatiges Buch in die Hand, Druck, Verarbeitung und Bildwiedergabe sind vorbildlich. Die kurzen Texte sind gut formuliert und fehlerfrei, hilfreich ist die Zeitleiste und Angabe von Ort bzw. Event am Fuß der Seiten. Technische Aspekte werden nur kurz angeschnitten, aber das war sicherlich nicht Ziel dieses Buches. Auf jeden Fall ist die Geschichte dieses ersten Porsche sehr spannend und wechselhaft, schön, dass diese Ikone sich im Besitz des Unternehmens befindet.

„Die Geschichte des Porsche 356 Nr. 1 Roadster“ ist in der Edition Porsche Museum beim Motorbuch Verlag erschienen, Texte von Peter Weidenhammer, 260 Seiten, 300 Abbildungen, ISBN 978-3-613-32156-4, Preis in Deutschland 59,- Euro.

Foto: Motorbuch Verlag, Rezension: Rudi Seidel

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