Mittwoch, 11. Mai 2022

Erinnerungen und Spurensuche – Drews Karosseriebau Wuppertal von Joachim Drews und Manfred Seehusen

Viele Informationen aus der Zeit nach 1945 gingen unwiederbringlich verloren, sei es, weil niemand sie mehr erzählen kann, weil keiner in diesen harten Jahren die Zeit hatte, etwas zu archivieren, oder einfach, weil irgendjemand irgendwann den alten Krempel, den man sowieso nicht mehr brauchen konnte, weggeworfen hat. Umso erfreulicher ist es, dass Joachim Drews, Neffe des Firmengründers Gerhard Drews, gemeinsam mit seinem Freund Manfred Seehusen die vorhandenen Dokumente erhalten und gesichtet sowie sich intensiv mit Firmenhistorie, Zusammenhängen und dem Verbleib der produzierten Fahrzeuge befasst hat. Wie der Autor selbst berichtet, bestand das „automobilhistorische Archiv“ von Drews in den 70er Jahren aus einem Schuhkarton mit Fotos und einigen ungeordneten Schnellheftern. Man kann sich gut vorstellen, wie viel akribische Kleinarbeit und Recherche notwendig war, daraus ein Buch zu machen. Gut, dass andere Historiker, wie z.B. Rainer Simons oder Eckardt Bartels und viele andere das Projekt unterstützten.

Erstaunlich, was die Firma Drews in ihrer Hochzeit an besonderen Fahrzeugen produzieren konnte. Am bekanntesten ist sicherlich das Sportcabriolet auf Basis des VW Käfers, von dem von 1948 bis 1951 ca. 100 Exemplare gefertigt wurden, was die einzige nennenswerte Serienfertigung war. Alle anderen Autos waren Einzelstücke oder Kleinstserien von drei oder fünf Stück, wegen der handwerklichen Fertigung und der individuellen Kundenwünsche gab es natürlich Unterschiede. Interessant ist das Kapitel über einen Drews-VW-Porsche, der nach detaillierten Anweisungen des Kunden erstellt wurde, zu diesem Prozess existieren auch noch alle Dokumente. Auch der Buckeltaunus wurde von Drews eingekleidet, exotischer sind dann schon drei Mercedes-Cabrios, ein Fiat 1100, der Dyna Panhard oder ein Alfa Romeo 6c 2500 Cabriolet für den Renn- und Rallyefahrer Wolfgang Schlüter. Spannend die Zusammenarbeit mit den Rennwagenkonstrukteuren Alexander von Falkenhausen, Ernst Loof (Veritas) oder Walter Komossa (Scampolo). Auch mir war unbekannt, dass nicht alle Karosserien für die AFM-Renner von Blasi Huber auf der Fraueninsael/Chiemsee gefertigt wurden. Dann gab es auch noch einen Monoposto und einen Sportwagen auf DKW-Basis.

Das Autorenteam beschäftigte sich mit allen möglichen Querverbindungen zu anderen Firmen, zeigt auch parallel gefertigte Fahrzeuge anderer Hersteller, dokumentiert selbstverständlich die Firmengeschichte von Drews bis hin zu familiären Verhältnissen, soweit sie von Bedeutung waren. Nachdem Gerhard Drews seine Brüder Erwin und Werner (Vater des Autors) mit in die Firma nahm, entschloss sich Erwin später, nach Brasilien auszuwandern und dort einen Karosseriebetrieb aufzubauen. Eine weitere Verbindung zu diesem südamerikanischen Staat hätte die Serienproduktion des von Drews karossierten AFM 2500 mit Opel-Technik sein sollen, daraus wurde allerdings nichts. Die von Gerhard Drews patentierten Entwicklungen dürfen nicht fehlen, sein Traum war immer ein Cabrio/Coupé, wie es Ford in Amerika produzierte, allerdings wesentlich kompakter. Sein letztes Projekt war dementsprechend ein Opel Manta B mit im Kofferraum verschwindendem Coupédach, das Auto gehört zu den wenigen Drews-Fahrzeugen, die heute noch existieren. Außerdem sind nur noch ein VW Cabrio, ein Ford Taunus Cabrio von 1950, sowie die beiden DKW Spyder und Monoposto bekannt. Deren Geschichte wurde, soweit möglich, bis heute recherchiert. Überhaupt enthält das Buch so ziemlich alle Fotos und Dokumente, alte Zeitungsartikel usw., deren die Autoren habhaft werden konnten. So entstand eine sehr vollständige Geschichte der Firma Drews und ihrer Produkte, vielleicht ergibt sich aus dieser Publikation noch Zugang zu neuen Informationen, die bisher im Verborgenen ruhten.

Ehrlicherweise muss man bei einem Buch, das im Eigenverlag ohne Unterstützung eines der großen Häuser produziert wurde, andere Maßstäbe anlegen und sich in erster Linie darüber freuen, dass die enthaltenen Informationen zwischen zwei Buchdeckeln der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurden. Das Layout ist soweit in Ordnung, manche Bilder hätte man sich größer gewünscht, falls es die Originale hergeben, manche hätte man noch optimieren können. Einige Fotos wurden mit Hilfe einer Software coloriert, das ist natürlich in keiner Weise farbverbindlich. Bei den meisten Motiven wird darauf hingewiesen, leider nicht bei allen. Die Typografie könnte man sicherlich noch verbessern, der Unterschied zwischen Binde- und Gedankenstrich ist oft nicht berücksichtigt, die nicht notwendigen Leerzeichen stören etwas, und die Zeichensetzung stimmt nicht immer. Auch sind manche Namen falsch geschrieben, wie der Graf Tripps mit einem „p“ zu viel oder der „Schorch“ Meier, da schüttelt es den Bayern und er wundert sich. Aber für die eventuell nächste Auflage schlage ich einen Korrekturlauf vor, dann kann man auch das amtliche Kennzeichen "FR" Freiburg zuordnen, nicht Frankfurt, wie fälschlicherweise geschrieben.

Aufgrund der hochinteressanten Inhalte kann man mit den genannten Mängeln sicherlich leben, man spürt auch das Herzblut, das die Autoren in dieses Werk investiert haben, dazu kommt der absolut faire Preis von 35,- Euro frei Haus für das sauber gedruckte, gut gebundene Buch. Schön, dass die wenig bekannte Geschichte des Karosseriewerks Drews so ausführlich dokumentiert wurde.

„Drews Karosseriebau Wuppertal – Handwerklicher Erfindergeist der Nachkriegszeit“ von Joachim Drews und Manfred Seehusen ist im Eigenverlag erschienen, 244 Seiten, ca. 500 Fotos und 180 Abbildungen, keine ISBN-Nummer, Preis 35,- € incl. Versand, zu bestellen direkt unter info@sv-drews.de

Fotos und Rezension: Rudi Seidel

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