Donnerstag, 10. Dezember 2020

Bis ins kleinste Detail - Alfa Romeo Berlina von Patrick Dasse beim Dingwort Verlag

Patrick Dasse hat sich einen Namen als Autor hervorragender Bücher über verschiedene Alfa Romeos gemacht, „Alleggerita“ über die Giulia GTA und einige Bände über Giulia, Spider, Montreal usw. gelten inzwischen als absolute Referenz, um die Originalität von Fahrzeugen festzustellen oder bei Restaurierungen Klarheit zu verschaffen. Dazu erhielt Dasse Zugang zum unerschöpflichen Werksarchiv, musste allerdings Detektivarbeit erbringen, um die Bilder zu beurteilen und zuzuordnen. Wie er selbst schreibt, fand er großartige Unterstützung in der Person von Dr. Marco Fazio, zur Zeit der Recherche Leiter des Centro Documentazione von Alfa Romeo in Arese.

Aktuell sind in der Reihe zwei neue Bücher erschienen, eines davon behandelt alle rechtsgelenkten Varianten des Tipo 105, also der Giulia Berlina, Sprint, Spider, der 1750 Berlina, sowie des Montreal. Im zweiten neuen Band geht es um die Alfa Romeo Berlina, also die 1750 und 2000, die Ende 1967 als große Schwester der Giulia auf den Markt kam und bis 1976 produziert wurde. Mit diesem Buch will ich mich näher befassen.

Zur Ausweitung der Produktpalette, die im Prinzip nur noch aus Varianten der Giulia bestand, und zur besseren Auslastung des Werks in Arese dachte man an eine etwas größere und komfortablere Limousine. Die inzwischen veraltete und nicht mehr gefragte Sechszylinderreihe 2600 wurde nicht mehr weiterverfolgt. So nahm man die Basis der Giulia, verlängerte den Radstand um 60 mm, gleichzeitig vergrößerte man den Hubraum des klassischen Doppelnockenwellen-Vierzylinders auf 1779 ccm. Bertone entwarf eine schlichte, elegante Linie, die aber trotz ihrer geglätteten Konturen Familienähnlichkeit mit der kleinen Schwester zeigte. Das ganze wurde dann als Alfa Romeo 1750 Berlina präsentiert. Die wohlklingende Typenbezeichnung fand ihren Ursprung einerseits im berühmten Vorkriegsmodell 1750, andererseits einfach im italienischen Wort für Limousine. Später wurde das Triebwerk nochmals vergrößert, ab 1971 gab es die 2000 Berlina, die bis 1976 weiterproduziert wurde. Insgesamt wurden immerhin über 173.000 dieser Fahrzeuge produziert, genaue, nach Versionen und Jahren unterteilte Zahlen findet man natürlich im Buch.

Wer bereits ein Werk aus der Alfa-Reihe des Autors gesehen hat, weiß, was ihn erwartet: Eine akribische Zusammenstellung von Originalfotos aus dem Alfa-Archiv bis ins kleinste Detail, eine genaue Beschreibung auch kleinster Änderungen und deren zeitliche Einordnung, möglichst auch mit Fahrgestellnummern. Über 70 Seiten beschäftigen sich mit der Ursprungsversion, neben vielen Bildern des Autos aus allen Perspektiven begeistern die Mengen von Detailfotos, aber auch einige Aufnahmen aus dem Karosserierohbau und der Fertigung. Der Auflockerung dient eine Serie von Fotos der italienischen Autozeitschrift Quattroruote bei einem Langstreckentest, aber auch einige wenige Bilder von rennsportlichen Einsätzen fehlen nicht. Schön, dass auch der von der Firma Pavesi umgebaute 1750 Giardinetta Veloce enthalten ist, damals war die Zeit für solche Lifestyle-Kombis noch nicht weit genug, dieser sportliche, aber auch praktische Entwurf war wirklich gelungen, es blieb aber wohl beim Einzelstück. Es folgen weitere Varianten wie Automatik oder USA-Versionen und die entsprechenden 2000 Berlina. Das Buch schließt mit einer genauen Produktionsstatistik.

So beeindruckend das ganze Buch ist, würde ich mir vielleicht noch etwas mehr Informationen wünschen. Die technischen Daten wären meiner Meinung nach ganz gut in Tabellenform im Anhang übersichtlich zusammengestellt worden, interessant wären auch die lieferbaren Lackierungen und Polsterstoffe. Dennoch ist Patrick Dasses Buch natürlich eine wesentliche Quelle, um die Originalität eines dieser Autos zu bewerten oder bei einer Restaurierung zu berücksichtigen. Vor allem die detailliert aufgelisteten Änderungen nach Modelljahren bzw. Fahrgestellnummern sind besonders wertvoll. Durch die leichte Austauschbarkeit zwischen den verschiedenen Alfa Romeo-Typen sind viele der noch existierenden Autos nicht mehr im ursprünglichen Zustand, da helfen diese Fotos extrem gut.

Der eng begrenzte Inhalt schränkt natürlich den Käuferkreis ein, wer einen solchen Alfa besitzt oder restaurieren will, kommt an Sasses Buch nicht vorbei und der Alfista möchte sicherlich gerne darin blättern und von früher träumen, als die Berlina noch nagelneu und rostfrei war. Der Mut des Verlags ist auf jeden Fall zu bewundern, solche Nischenprodukte zu produzieren. Aber gerade in Zeiten von Internet und Suchmaschinen haben solche hervorragend recherchierte, sichere Quellen noch mehr Wert. Der Preis mag auf den ersten Blick hoch erscheinen, aber wenn man die aufgebrachte Zeit, die hochwertige Qualität und die zu erwartende Auflage in Betracht zieht, absolut gerechtfertigt.

„Alfa Romeo Berlina“ von Patrick Dasse ist im Dingwort Verlag erschienen, 216 Seiten mit 131 S/W- und 47 Farbbildern, Text in Deutsch und Englisch, ISBN 978-3-87166-067-2, Preis 69,- €. Erhältlich sind alle Bücher dieser Serie direkt beim Dingwort Verlag oder im Fachbuchhandel.

Fotos: Dingwort Verlag, Rezension: Rudi Seidel

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