Mittwoch, 20. August 2014

Der Silberpfeil, der niemals startete - Der Typ 650 von Peter Kirchberg bei Delius Klasing

Das neueste Werk von Prof. Dr. Peter Kirchberg befasst sich mit dem Typ 650 Awtowelo, der Geschichte eines Formel-Rennwagens, der nie im Einsatz war, aber groes Interesse weckt.

In Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) entstand 1949-1952 ein Formel 2-Rennwagen mit 2-Liter V12-Triebwerk mit 152 PS Leistung. Sozusagen ein Reparationsauftrag fr die Sowjetunion. Ein Sohn Stalins hat sich persnlich darum gekmmert. Die Konstrukteure waren brigens ehemalige Auto-Union-Mitarbeiter, dadurch geriet das Auto etwas in die Nachfolge des Auto Union Typ D, nicht mehr und nicht weniger. Es war also ein Nachkriegsprojekt. Mit seiner Geschichte befasst sich das nun vorliegende Buch.

Ein Autoren-Team (alle aus der ehemaligen DDR) unter der Leitung des Auto-Union-Historikerpapstes Prof. Dr. Peter Kirchberg hat sich des Themas angenommen und optimale Arbeit geleistet. Die lange Zeit im Dunkel liegende Story des Typs 650 ist nun im wesentlichen geklrt. Das Buch beginnt spannend mit dem letzten Grand-Prix-Vorkriegsrennen am 3. September 1939 in Belgrad und der dann folgenden Einstellung der Rennaktivitten.

Ein recht unterhaltsamer Polit-, Wirtschafts- und Technik-Krimi ist entstanden. Dem Typ 650 war ein hnliches Schicksal beschieden wie dem Porsche Typ 360 Cisitalia fr Piero Dusio. Im Ostblock waren die Verhltnisse noch erschwert durch Planwirtschaft, fehlende Zulieferer und Abwanderung vieler Fachkrfte. In Moskau konnte man mit den beiden Prototypen nicht viel anfangen. Und so wurden sie an die DDR zurckgegeben. Fahrer wie Edgar Barth und Arthur Rosenhammer haben Probefahrten gemacht und Verbesserungsvorschlge. Rein theoretisch htte man sogar an der Weltmeisterschaft der Formel 1 teilnehmen knnen, die 1951 von der FIA/CSI fr die Jahre 1952/53 fr 2-Liter-Formel-2-Fahrzeuge ausgeschrieben war. Unklar bleibt aber bis heute, ob der Typ 650 berhaupt konkurrenzfhig gewesen wre. Kurioserweise wurden die beiden Wagen fr einen 1957 gedrehten DDR-Rennfahrerfilm mit roten Plastikkotflgelteilen in Pseudo-Ferraris verkleidet.

1978 dann wurde ein Typ 650 ber die DDR-Aussenhandelsfirma Interport fr 200.000,- DM-West an den Briten Tom Wheatcroft verkauft. Wheatcroft, Besitzer der Rennstrecke Donington Park (Derby, GB) und der damaligen Single Seater Collection nahm irrtmlich an, es handele sich um einen Auto-Union-Rennwagen von 1940. So etwas fehlte in seiner Monoposto-Sammlung. Schon 1986 bei unserem Besuch in Donington munkelte man, das sei kein echter Auto Union, obwohl auf die Schnauze inzwischen das Logo der vier Ringe aufgepinselt war. Heute heit die Sammlung Grand Prix Exhibition und wird vom Sohn und Erben Kevin Wheatcroft weitergefhrt, nachdem sein Vater 2009 verstarb. Kevin versuchte auf der Techno Classica Essen 2010, den Typ 650 berteuert von der Firma Hall & Hall verkaufen zu lassen. Das rief Karlheinz Rehkopf aus Einbeck auf den Plan, der gerade sein neues Museum PS.Speicher aufbaute, das dieses Jahr erffnet wurde. Im Tausch gegen von Wheatcroft mehr gesuchte Militrfahrzeuge plus Wertausgleich in bar wurde Rehkopf der neue Eigentmer des Typ 650 und lie bei der Firma Zinke in Zwnitz/Erzgebirge noch einige Restaurierungsarbeiten durchfhren.

Auch das zweite Exemplar ist im Eigentum der TU Dresden noch vorhanden, und zwar als Rolling Chassis, das an der Fakultt Kraftfahrzeugtechnik der Westschsischen Hochschule Zwickau mit Studenten aufgebaut wurde und im Industriemuseum Chemnitz steht. So hat sich der Kreis geschlossen, der Typ 650 bietet eine Story, wie sie nicht alle Tage anfllt.

Wie von Delius Klasing gewohnt, ist das Buch sehr schn produziert, Layout, Bildauswahl und -wiedergabe sind hervorragend, technische Details sind akribisch wiedergegeben. Die Recherchearbeit fr dieses Werk war sicherlich enorm. Und auch ohne Renneinstze ergibt sich eine spannende, lesenswerte Geschichte.

Der Typ 650 von Peter Kirchberg, 152 Seiten, 69 Farbfotos, 60 S/W Fotos, 12 farbige Abbildungen, 13 S/W Abbildungen, erschienen bei Delius Klasing, ISBN 978-3-7688-3876-4, 29,90

Rezension: Dr. Reinhard Colsman

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